Der lange Weg

Frostbeere

Knospen sind noch nicht zu sehen,
doch das Leben steht bevor.
Bäume nackt am Felde stehen,
säuseln still im kalten Chor.

Langsam bricht sich blaues Eis,
ringt mit allerletzten Qualen.
Nur die Sonne brennt schon heiß,
lässt die Blüten jetzt erstrahlen.

Grün wird eiligst die Natur,
wie bei einem bunten Rennen.
Frühlingsvögel singen Freude pur,
lassen Nachwuchs bald erkennen.

Die Welt steht jetzt im Lichterglanz,
und überall sprießt goldner Zauber.
Ein Rehkitz durch die Wiese tanzt,
der Has’ ist freilich ohne Zaudern.

Der Sommer schmeckt so kugelrund,
keine Not ist weit und breit.
Ein jedes Leben ist jetzt kerngesund,
ums Essen gibt es keinen Streit.

Am Morgen wird es langsam frisch,
Blätter färben sich im frühen Dunst.
Ein letzter großer Gabentisch,
Bauch voll schlagen ist keine Kunst.

Ein erster Frost kommt über Nacht,
und lässt die Bäche nun erkalten.
Tiere haben längst ihr Werk vollbracht,
müssen stets zusammen halten.

Der Winter schleicht mit Dunkelheit,
und immer grausgern Minusgraden.
Vorbei ists mit der Leichtigkeit,
ein Eichhorn wird die Nuss ausgraben.

Nur der Mensch hat nicht geschaut,
hat stets den Blick zu sich gerichtet,
vor seiner Zukunft es schon graut,
er wird im Sturm gar schnell vernichtet.

Jetzt klagt er weh, wie ungerecht,
man konnte es doch niemals sehen.
Tag und Nacht hat er gezecht,
allein für sich, dies fand er schön.

So geht er hin und nichts verbleibt,
die Erde wär’ jetzt wieder frei.
Doch der Mensch hat sie entzweit,
sein Erbe wiegt nun schwer wie Blei.

Den langen Weg ging die Natur,
um uns alle zu ernähren.
Nimmer hilft ein guter Schwur,
neues Leben zu gewähren.

Arno von Rosen, 23. September 2015

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21 Gedanken zu “Der lange Weg

  1. Mon cher Baron,

    (Nur der Mensch hat nicht geschaut,
    hat stets den Blick zu sich gerichtet,
    vor seiner Zukunft es schon graut,
    er wird im Sturm gar schnell vernichtet)
    .
    Du hast mich mit Deine sanften Warnung wach gerüttelt, habe niemals Angst.
    Der Winter in Deutschland kann mich nicht kalt erwischen denn ich erwärme mich,
    an alles was mich umgibt und mir gefällt, im Real wie auch cyber.
    So ist es wenn wir die Sonne immer im Herzen tragen.
    Rührend und so super schön gedichtet.

    A+ merci

    Gefällt 4 Personen

  2. Der Geist ist weglos immerda

    Bruder bald ist s winterkalt
    Wie Du rufst so s widerhallt
    Was das Jahr gelebt versäumt
    Gibt der Wald Sehnsuchtsgeräumt

    Dir zurück als Weihnachtsbaum
    Schmücke Ihn mit Sehnsucht
    Gib darunter Mir Dein Ehrenwort
    Das Lieben ist kein Traum

    danke
    Dir Joachim von Herzen und zu
    Christkind

    Gefällt 1 Person

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