Der kleine Casimir … Teil 5

Casimir stand zitternd unter einem alten abgestellten Bauwagen und zuckte bei jedem unbekannten Geräusch zusammen. Nachts war diese neue Welt nicht mehr so schön und einladend, wie sie auf ihn gestern noch gewirkt hatte. Kopie von DSCF4416Er vermisste die kuschelige beschützte Atmosphäre die in ihrem kleinen Häuschen herrschte, umsorgt von der Mutter und gehütet vom Vater. Sogar seine Schwestern fehltem ihm jetzt und daran hätte er im Traum nicht gedacht. Nagender Hunger machte sich in seinem kleinen Bauch breit, aber er traute sich keinen Schritt aus seiner spärlichen Behausung heraus. Wohin hätte er in der Dunkelheit auch laufen sollen? Er war so lange am Weg entlang gelaufen, wie ihn seinen kurzen Beinchen getragen hatten und als der Regen einsetzte war er bis auf die Haut durchnässt gewesen. Kein dichtes Federkleid hatte ihn geschützt, denn er war noch viel zu jung für ein echtes Gefieder.

Allmählich ließ der Regen nach und im nahen Gras begann ein Regenwurm seinen Weg zurück ins Erdreich zu suchen. Casimirs Magen knurrte schrecklich und er überlegte fieberhaft, ob er den Schritt heraus aus seinem Versteck wagen sollte. Er schüttelte die Kopie von DSCF4421Nässe aus seinem Pflaum, kratzte automatisch mit seinen Füßchen im Boden und fasste den Entschluss sich diese Stärkung nicht entgehen zu lassen. Mit schnellen Hüpfern lief er auf den Wurm zu, der sich daran machte im feuchten Sand zu verschwinden und schnappte ihn gerade noch am Hinterteil, bevor der Erdfresser enkommen konnte. Casimir verschluckte seine Mahlzeit so schnell, dass sie ihm beinahe im Halse stecken geblieben wäre und der Schlamm im Schnabel fühlte sich ungewohnt an. Zuhause bekamen sie alles fein säuberlich hingestellt und Würmer brachte ihnen immer die Prinzessin und sie aßen aus sauberen Schälchen und tranken frisches Wasser. Der Regen schmeckte ihm ebenfalls gut, aber er bevorzugte einen Napf, denn den Schnabel in den kalten Regen zu halten dauerte nicht nur lange beim Trinken, ebenfalls die Kälte setzte ihm dabei arg zu.

Kein Auge hatte Caruso zugemacht und seine Töchter schmiegten sich eng an Cassiopeia, die ebnfalls in die Nacht hinein hörte. Immer wieder verließ der schwarze Hahn ihr Caruso Nachtgemütliches Heim und streifte an den Zäunen entlang, ob er eine Spur seines Sohnes entdecken könnte, aber es blieb still. Lange bevor es hell draußen wurde kam Rudolf und suchte mit seiner feinen Spürnase die Gärten des Schlosses ab, aber er fand im warmen Nieselregen nur noch die Stelle wo Casimir den Zaun überwunden hatte. Goldstück hatte ihn gebeten alles zu tun was nötig sei, um den kleinen Seidenhahn wieder wohlbehalten nache Hause zu bringen, aber er durfte die magischen Gärten nicht verlassen, denn sonst befand er sich in der äußeren Welt und die hatte keinen Zauber mehr, der ihn und alle anderen Tiere beschützte. Freilich, würde die Prinzessin es wollen, würde er sein Glück versuchen, denn es gab nichts, was er nicht für seine Herrin machen würde, aber nur sie alleine konnte ihm das abverlangen, niemand sonst.

Fern am Horizont begann ein wärmendes Rot den dunklen Himmel empor zu steigen und Casimir blinzelte direkt in die Sonne, als diese endlich ihre ersten Strahlen schickte. Er Septembermorgenspreizte seine winzigen Flügel und nahm die Wärme dankbar auf. Der Hunger hatte wieder eingesetzt und er musste schnell etwas zu Essen finden, denn geschwächt würde er den nächsten Tag wohl nicht überstehen, aber die aufsteigende Temperatur eines frühen Sommertages ließ ihn bereits zuversichtlicher in die Zukunft blicken. Bevor ihn die Nacht hierher verschlagen hatte, waren ihm Häuser in einiger Entfernung aufgefallen. Er wußte zwar nicht, was ihn dort erwartete, aber vielleicht würde er Nahrung finden bei guten Menschen, bevor er sich wieder auf die Suche machte. Casimir wartete noch eine Weile, bis er vollends getrocknet war und schritt dann mutig aus seinem Versteck, achtete aber nun genau darauf sich immer am Wegesrand zu halten, wo ihn das hohe Gras schütze. – Fortsetzung folgt –

Advertisements

7 Gedanken zu “Der kleine Casimir … Teil 5

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s