Der kleine Casimir … Teil 7

Noch stand die Sonne hoch am Himmel und die Wolken zogen vorbei, anstatt sich abzuregnen. Der kleine Hahn hatte nach und nach die Häuser am Weg beäugt, aber keine anderen Tiere mehr getroffen. OldtimerZweimal hatte er sich fast zu Tode erschreckt, als riesige glänzende Ungetüme an ihm vorbei gerast waren und der Luftzug ihn fast umgeworfen hätte. Zitternd hatte er eilig in einem Gebüsch Schutz gesucht und sich lange nicht getraut wieder heraus zu kommen. Dann war er auf eines der Objekte gestossen, welches am Wegesrand stand und sich ihm vorsichtig genähert. Es roch merkwürdig. Gar nicht nach Natur oder wenigstens etwas Essbarem. Als er es mit dem Schnabel anstupste gab es seltsame hohle Geräusche von sich, bewegte sich aber nicht und blieb friedlich. Casimir entschied dennoch diesen Dingern fernzubleiben, vor allem wenn sie aufgeregt an ihm vorbei zogen.

Endlich erreichte er einen größeren Hof, der am Ende aller Häuser stand. Aus der Ferne konnte er schon einen Stall erkennen und freudig wackelte er geschwind darauf zu. Als er den Verschlag erreichte war der kleine Hahn enttäuscht. Kopie von DSCF4404Niemand war zu sehen.Nur etwas Stroh lag darin, eine Wassertränke und einige alte Körner, die nicht nach Hühnernahrung rochen.Traurig wendete er sich ab,als er eine leise Stimme hörte. „He da, Geselle. Was machst Du da draußen? Bist Du von allen guten Geistern verlassen? Wenn die Katze kommt, wird sie Dich schneller fressen als Du piep sagen kannst!“ Casimir drehte sich zum Käfig um und sah unter einem Holzbrett ein Fellknäuel sitzen, welches ihn mit funkelnden Augen anstarrte. „Was ist eine Katze und was bist Du für ein Tier? Du siehst fast aus wie ein Kaninchen, aber Du hast sehr langes Fell.“ Dieses mal wollte er nicht Hase sagen, um niemanden zu beleidigen, obwohl er keine großen Unterschiede hatte feststellen können. „Wie ist Dein Name mein Freund? Ich heiße Casimir.“ Das Wesen kam keinen einzigen Schritt näher, bewegte aber hektisch seine Nase. „Ich bin was ich bin und ich habe noch nie gehört, dass Tiere Namen haben. Was bist Du nur für ein seltsamer Kauz, der sich selbst benennt und sich in Gefahr begibt?“ Casimir war das Verhalten seines Gegenübers nicht recht geheuer, aber vielleicht konnte dieser Fremde ihm helfen. „Nun, ich habe mir nicht selbst einen Namen gegeben, sondern Prinzessin Goldstück und ich bin auf der Suche nach dem Schloss wo ich wohne. Gestern habe ich mich verirrt und könnte Deine Hilfe gut gebrauchen, verehrtes Kaninchen.“

CasimirAls Casimir schon dachte, der Andere würde nicht mehr antworten, trat dieser einen winzigen Schritt vor und zischte. „Du solltest hier schnell verschwinden, mein kleiner Lügner, denn ich kenne weder eine Prinzessin noch ein Schloss und jeden Moment wird Dich die Katze fressen. Geh wohin Du magst und der Vater aller verrückten Tiere möge Dich beschützen, Du armer Tropf.“ Damit verschwanden die Augen und nur ein schwarzes Loch blieb still im Käfig zurück. Mutlos schlich sich Casimir vom Hof, vorbei an einer kleinen Mauer und schlüpfte unter einem verfallenen Zaun durch. GewitterDer Tag näherte sich bedrohlich seinem Ende und er frass eher lustlos als hungrig ein paar Gräser und wilde Kräuter. Am Horizont drohten bereits wieder dunkle Wolken, die einen baldigen Regen versprachen. Er würde zumindest nicht Duerst leiden, aber er musste noch ein trockenes Plätzchen finden, auch um dieser Katze und dem Bussard zu entgehen. Niemals zuvor hatte er sich Sorgen um sein Leben gemacht und er dachte wehmütig an die schützende Wärme seiner Hütte und die nähe seiner Familie – Fortsetzung folgt –

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17 Gedanken zu “Der kleine Casimir … Teil 7

  1. Joy, was für ein Himmel!

    Selbstverständlich haben Tiere Namen.
    Die Hasen der Schaukelinhaberin heißen Bu und Bell, niemals landen sie in der Pfanne:-)

    Hier huscht der Regen wie immer, ich fang einen Regenbogen und brat ihn in der Sommerküche;-)

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    1. Den Himmel habe ich gestern beim Erdbeerpflücken fotografiert und anschließen gab es Regen und Erdbeeren satt. Dafür sind sie süß und saftig und Goldstück hat gegessen bis nichts mehr in das Bäuchlein passte. Gesunde Leckereien sind die schönste Form des Naschens. Natürlich haben die kleinen Hasen der Schaukelinhaberin Namen, aber nur verzauberte Tiere kennen ihn auch 😉

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  2. „der Vater aller verrückten Tiere“ … genial, Arno … hach und er hat immer noch nicht das Schloss gefunden und das bei diesem Himmel …
    bin weiterhin gespannt (von wegen „nur“ eine Kindergeschichte 😉
    liebe Grüsse von Kinderseele zu Kinderseele
    Ulli

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  3. Der arme Kleine… So süß geschrieben! Ich wette, Du lässt diese wunderschöne Geschichte in ein nettes Büchlein binden… 😉 Lasse mir dann bitte eines mitdrucken, ich möchte unbedingt eines kaufen! Alles Liebe, Nessy

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    1. Liebe Nessy, danke für Dein Vertrauen. Ich denke darüber nach, weil ein Buch viel Arbeit ist, vor allem, wenn Zeichnungen angefertigt werden müssen. Ich werde mal einen Entwurf versuchen und sehen ob ich dafür tauge. Beste Grüße zu Dir 🙂

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      1. Lieber Arno! Natürlich taugst Du dafür! Da hast Du doch schon andere Dinge gestemmt! Die Frage ist einzig die, ob es Dir persönlich Spaß macht, oder ob Du, die Zeit, die es braucht, lieber mit etwas anderem verbringen möchtest… Entweder gehst Du mit Herzblut daran oder halt nicht… Aber das weißt natürlich nur Du! Ich drücke Dir in jedem Fall die Daumen.Wünsch´ Dir eine schöne, kreative Woche, Nessy

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