Wir sind die Radikalen!

Wenn über eine Generation in Deutschland gesprochen wird und es handelt sich nicht gerade um die braune Zeit von 1932 – 1945, reden wir von der 68er Bewegung, die zwar eigentlich 67 war, aber was solls. Diese Generation sind Töchter und Söhne von eben jenen Mitläufern, Dummstellern, Nazis und eben den Opfern der damaligen Periode von Gewalt, Hetze, Antisimitismus, Rassismus und blinder Wut auf alles, was dem eigenen (auch nur gefühltem) Wohlergehen entgegen stand. Diese jungen Menschen hatten noch die Auswirkungen des Krieges, die anschließende Verlogenheit der Altnazis im Ohr, welche sich jetzt brav um ihre Pöstchen kümmerten, da es sonst sonst keiner mehr konnte, denn die Soldaten waren gefallen oder in Kriegsgefangenschaft umgekommen oder einfach nicht mehr arbeitsfähig. So wurde ebenfalls das Thema um Schuld und Sühne der Nazis nie zufriedenstellend behandelt, weder für die 68er noch für mich, als Kind der geburtenstarken Jahrgänge von 1960 bis 70. Wäre ich nicht lange Zeit von meinen Großeltern erzogen worden, gäbe es für mich nur Konsum in jeglicher Form, ob Nutella im Supermarkt, zwei Fahrzeuge in den Garagen, Urlaube, schicke Einrichtung, Farb-TV und was noch alles. Natürlich lebten wir über dem Schnitt aller Bundesbürger, nur bewußt war mir dies lange nicht.

Meine Eltern, 39 und 41 geboren, wußten noch was Krieg bedeutet, wollten jedoch nicht an ihre Kindheit erinnert werden, sondern gönnten sich alles was machbar war und so auch wir, als nächste Generation. Autofreie Sonntage waren längst vergessen, als ich meinen Führerschein machte und an jedem Wochenende mindestens einmal den Tank meines Wagens leer fuhr. Bei 90 Pfennig für den Liter Super, war das kein Ding und Umweltaspekte waren uns einfach wurscht. Wir übernahmen den Lifestyle unserer Eltern nahtlos, jedoch nicht ohne den Ehrgeiz, auf alles noch mal etwas draufzupacken, schließlich sollte es uns einmal besser gehen, als unseren Eltern und Großeltern. Das meine Geschwister und ich nicht komplett sozial verwahllosten lag zum einen an unseren geizigen Eltern, die nicht im mindesten gewillt waren etwas vom millionenschweren Reichtum an uns abzutreten und zum anderen an unserer Sturheit, irgendwelchen Leuten in den Arsch zu kriechen. Nicht mal, wenn es sich dabei um die eigenen Eltern oder Großeltern handeln sollte. So blieb es bis zu meinem 16. Lebensjahr bei 3 DM Taschengeld pro Woche, natürlich quittiert und wer es nicht am Samstag abholte, bekam es einfach nicht mehr. Daraus lernt man etwas fürs Leben. Was das allerdings im Einzelnen war, entzieht sich meiner Kenntnis, ich bin jedoch in der Lage kaum Geld auszugeben, egal wie verlockend etwas auch sein mag, jedenfalls inzwischen.

Nachdem man sich selber Führerschein, Auto, Wohnung und Einrichtung erarbeitet hatte, wurde auf den Putz gehauen und ab dem 18 Lebensjahr war ich 5 lange Jahre kein einziges Wochenende mehr zu Hause, selbst nicht bei 41 Grad Fieber. Erst meine Frau beendete diese zügellose Zeit und schenkte mir mit 24 Jahren einen richtigen Sohn, mit allem drum und dran. Wieder hatten wir etwas, für das es sich lohnte Geld zu verprassen, als ob morgen die Welt untergehen würde. Designer Babyklamotten, familientaugliche Karossen, Reisen, Spielzeug bis der Arzt kommt, Disneyland (logo, musste hin). Also egal wieviel wir verdienten, und wir waren immer Doppelverdiener, wir gaben es aus! Umwelt? Nachhaltigkeit? Vorsorge? Das war bei meinen Großeltern noch Usus, aber bei meiner Generation fielen alle moralischen Schranken. Wir kauften Saisonmöbel bei IKEA, welche man nach 3-4 Jahren entsorgen durfte/ musste, fraßen uns durch jede Mc Donalds-Filiale, egal wo wir hinkamen, kauften in manchen Jahren 3-4 Fahrzeuge und gingen immer „All in“, wie man in der Pokersprache sagt. Und die Industrie? Banken? Gewerbe? Die wurden aufgrund unseres Konsumverhaltens gierig. So gierig, dass wir in Deutschland ganze Wirtschaftszweige ins Ausland verlegten, um noch mehr, noch billiger und noch sorgenloser produzieren zu können. Die Händler betrogen uns und wir selbst uns schließlich ebenfalls, denn wir machten die Augen zu vor abgeholzten Urwäldern, Palmölplantagen, ausgestorbenen oder zumindest gefährdeten Tierpopulationen, absaufenden Inseln, verseuchten Landstrichen, Armut, Krieg (ja, mehr als zu unseren Lebzeiten gab es nie auf der Erde), oder Bausünden. Egal was wir anfassten, wenn es am Ende nicht mindestens ein bisschen Katastrophal war, wurde nicht mehr darüber gesprochen.

Wir lechzen nach billigen Produkten aus dem Supermarkt, wir kaufen uns gerne Autos mit viel PS und noch mehr Schnick.Schnack, die mindestens zwei Tonnen wiegen müssen, damit es als Statussymbol überhaupt herhalten kann. Uhren? Klar! Schmuck? Sowieso! AIDA? Ein muss, denn wer noch nie eine Kreuzfahrt gemacht hat, ist ein alter Hund und wer will schon zu den Alten zählen? Eben, niemand, denn wer alt ist, wird von der Gesellschaft abgehängt, sitzt vor der Glotze, guckt ARD und ZDF und zuckt mit den Schultern, wenn der Sprecher darauf aufmerksam macht, dass es noch mehr Informationen auf der Internetseite des Nachrichtensenders gibt. Wen juckts? Schließlich gibt es ja noch das „Social Media“ und das reicht als Faktenspender! Es wäre kein Problem stundenlang fortzufahren, um unsere Sorglosigkeit zu zementieren, unsere Verachtung für jedes Leben zu demonstrieren, nicht zu vergessen, den Selbsthass, welcher notwendig ist, um den Ast abzusägen, auf dem man selber sitzt.

Nein, ich werfe der jungen Generation, welche sich über uns Alte aufregt, nichts vor. Nicht denen, die auf die Straße gehen, um uns mit der Nase auf unsere beklagenswerten Versäumnisse hinzuweisen, nicht denen, die keine Jobs mehr bekommen, weil im Ausland billiger hergestellt werden kann, nicht denen, welche nicht mehr wählen gehen oder die nur noch wählen, was eigentlich nicht wählbar ist oder sein sollte. Damit es nicht so endet wie damals, als man meinen Vorvätern das tausendjährige Reich versprach oder meinen Brüdern und Schwestern den Schutzwall vor dem kapitalistischen Westen, der IMMER mindestens genauso geheim, verlogen oder undemokratisch war und ist, wie es damals im Osten unserer Republik war, müssten wir aber unseren Arsch heben, um diese Missstände zu beseitigen und nicht nur zu verwalten. Nein, wir taugen nicht als Kläger oder gar Opfer. Wir sind Täter, Mittäter, stille Teilhaber und zwar an allem, was in unserem Land schief läuft. Ich meine dies nicht ironisch, denn wir haben die Macht dies alles zu beenden, um doch noch einen Fußabdruck zu hinterlassen, für den wir uns nicht tausend Jahre schämen müssen, ob ökonomisch oder ökologisch. Freilich, jeder wird etwas abgeben müssen. Das könnte eine Kleinigkeit sein, wie nicht jedes Jahr ein neues Mobiltelefon besitzen zu müssen oder sich alle drei Jahre ein neues Fahrzeug zuzulegen, jedes Jahr in den Urlaub zu fliegen, jeden Trend mitzumachen und durch Werbung zu entdecken, was uns soooo dringend fehlt, wovon wir vorher noch nicht einmal wußten, dass es so etwas überhaupt gibt.

Dabei würden wird dann noch nicht einmal wirklich verzichten, sondern nur verzögern, aber wir müssten uns Gedanken machen, was nachhaltig ist und ob ich wirklich jede Woche neue Klamotten benötige, neue Schuhe, neue Möbel, Flüge, Technik etc. Dann müssten Konzerne darüber nachdenken wieder Qualität für mehr Geld zu erschaffen, weil der Trend dann Langlebigkeit heißen würde und nicht mehr Wegwerfgesellschaft. Sortenunreinen Kunststoff zu verbieten, unsere Meere zu schützen und zu erforschen, anstatt auf einen Mars zu fliegen, wo nie jemand wohnen wird, nur um mit eigenen Augen zu sehen, dass dort Eis unter der Oberfläche steckt und keine Atmosphäre aufgebaut werden kann, weil ein kalter Planet keinen flüssigen Kern hat, somit keinen Magnetismus besitzt und damit nie eine Atmosphäre halten können wird, aber wen juckts schon?

Mir ist inzwischen egal, ob jemand mitmacht oder nicht, denn ich möchte weder meinem Sohn, noch Goldstück oder irgendjemand anderes auf der Welt ein kaputtes System hinterlassen, also boykottiere ich Unternehmen, kaufe nicht alles um jeden Preis, gebe mein Geld gerne für Lebensmittel aus, kaufe mir kein Auto mehr (kann natürlich nicht jeder), muss nicht im Saisonstyle gekleidet sein. Klar, ich verstehe, wenn jetzt jemand denkt, „Der hat gut reden! Erst alles machen, was den Planeten zerstört und am Ende seiner Tage den anderen Mitmenschen den Spaß versauen wollen!“ Da hätte jeder recht, selbst wenn ich bereits ab 2001 meine Spur gewechselt habe, aber meine Generation hat das Recht sich über die Verschwender unseres Planeten aufzuregen, schon lange verwirkt. Wir müssten alle so radikal gegen das System arbeiten, wie wir auch radikal dafür gearbeitet haben. Die 60er sind klug und informiert, aber will eben auf nichts verzichten, selbst, wenn wir es nicht einmal brauchen. Lieber ist etwas kaputt, als das es noch dem Nächsten nützt. Schade eigentlich, wo wir in einem Paradies leben könnten, uns aber lieber täglich über die Schwachköpfe aufregen, welche unsere Heimat (die aller Menschen) zerstören, während wir uns noch das Essen aus den Zähnen pulen, um dann wieder etwas Gefälligeres einzuschalten, denn Wahrheit tut weh, außer man lässt anderen den Vortritt. Doch wen juckt das schon?

Es grüßt Sie Ihr Arno von Rosen. Kann alles, weiß alles, macht aber nicht mal die Häfte von dem was möglich wäre. Ich gelobe Besserung, mich nur noch mit einer Hand am Hintern zu kratzen, während die andere mal etwas sinnvolles tut. Das Zitat des Tages verkneife ich mir, denn die meisten Menschen, die ich damit Ehre oder in Erinnerung bringe, würden mir wahrscheinlich lieber den Hals zudrehen, als an mir ihre Philosophie zu verschwenden. Sie sehen, Kritik sollte immer bei einem selber anfangen, denn es ist viel zu einfach, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Selbst ein Mann namens Jesus hat das schon gesagt, nur mit gesalbteren Worten, doch recht hatte er trotzdem. Allen einen schönen Herbst!

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45 Gedanken zu “Wir sind die Radikalen!

  1. Lieber Arno, da hast Du weit ausgeholt und Dir Luft gemacht, so liest es sich zumindest für mich. Ich habe nie in Reichtum gelebt, früher hatte ich einen Handyvertrag, der mir jedes Jahr ein neues Handy bescherte, was dann bald nicht mehr funktionierte, doch den habe ich irgendwann gekündigt. Ich bin nicht überversichert, so wie viele andere, kaufe mir nicht jedes Jahr ein neues Auto. Ich habe eines, das 19 Jahre alt ist und das vermutlich nächstes Jahr nicht über den TÜV kommen wird. Was ich sagen will: Es spielt vielleicht auch eine Rolle, woher man kommt, grundsätzlich aber sind die Meisten schon Verbraucher, Konsumierer, ich auch, nur nicht in dem Maße, wie Du es hier angeführt hast, was mich dennoch nicht meiner Verantwortung entbindet, bewusst zu sein, bewusst zu kaufen und zu konsumieren oder auch zu verzichten oder für die richtigen Dinge zu demonstrieren. Inzwischen, so vermute ich, ist ein großer Teil der Gesellschaft an der Grenze zur Armut oder Gering-/Klein-/Minijobber/verdienergrenze oder mit mittlerem Einkommen und können sich lang schon nicht mehr Luxus gönnen oder wenn, dann nur kleinen Luxus. Ich selbst ziehe auch immer wieder Bilanz darüber, was ich wirklich brauche, wofür ich mein Geld ausgeben muss, will und darf. Allein die Mieten, die fast überall sehr angestiegen sind, haben Konsum und Bewusstsein für die Situation, auch der der Welt, verändert. Ich sehe auch etwas Gutes darin und daran: Die Menschen leben inzwischen doch weitgehend bewusster, ernähren sich bewusster, konsumieren bewusster, es gibt immer mehr Städte, die dafür plädieren, aufs Fahrrad, statt ins Auto zu steigen, bei entsprechenden Demos werden viele Teilnehmer verzeichnet u.a. Das ist zumindest ein Anfang, viele kleine Schritte führen auch in eine …, wie soll ich sagen? bessere Zukunft, gesünderes (Er-)Leben, für einen selbst und für die anderen und für alle, die nach uns kommen. In diesem Sinne: Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen, rund um Konsum und die Frage: Wie möchte ich wirklich leben und wie möchte ich mit mir und der Welt und allem darin umgehen, ist eine Wichtige, die immer wieder gestellt, beantwortet und gelebt werden will. Danke für die vielen interessanten Gedanken, für den Einblick in Deine Vergangenheit und Jetztzeit und danke für dieses Posting. Liebe Grüße von hier nach da. Und einen schönen Tag für Dich, lieber Arno.

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    1. Wenn, rechne ich regelmäßig mit mir ab und der Artikel bezieht sich sicher nicht auf Menschen wie dich. Ich denke ebenfalls, dass du einiges jünger bist als ich und schon eher zur Generation der Betroffenen gehört, die bereits Auswirkungen unseres prallen Lebens zu spüren bekommen. Mein kommerzielles Leben ist unspektakulär, aber andere Menschen anzugehen, nur weil man vielleicht ein Jota besser mit der Umwelt umgeht, ist nicht meins. Konsum findet aber auch im Kleinen statt und mehr und mehr Artikel kosten nur noch wenige Euros, die sie letztendlich zwar nicht wert sind und trotzdem großen Schaden anrichten. So wollte ich den Beitrag verstanden wissen, aber du hast ja mit deinen Argumenten recht und diejenigen, die so unbekümmert leben, werden meinen Artikel kaum lesen. Hab ein fabelhaftes Wochenende!

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  2. Wie so oft, stört mich auch bei inhaltlich vielfacher Zustimmung ein vereinnahmendes Wir, und sei es noch so gut gemeint.

    Es gibt, trotz gewisser Schnittstellen, beispielsweise kein ungebrochen gemeinsames „Wir“ zwischen uns beiden, dir und mir, denn ich kam als Kind von Ende der 20er Jahre Geborenen auf die Welt, zweifachen Flüchtlingen noch dazu.
    Sie waren von Hitlerjugend und Arbeitsdienst, Flakhelferschaft und Kriegsendzeit geprägt, aber auch von Eltern, die sowohl das leid des Ersten Weltkriegs als auch die Freuden der Goldenen Zwanziger genossen haben, bevor es nach der Weltwirtschaftskrise und einer erbärmlichen Moral in Sachen Wahlbeteiligung ( kommt einem als aktuell bekannt vor) sozusagen in die zweite Runde Kriegs ging für die Generation meiner Grosseltern.

    Wie meine Altersgenossen musste ich mir Sorgen machen, was nicht nur meine Eltern sondern auch meine Grosseltern während der Nazizeit oder im ersten Weltkrieg getrieben haben könnten, einiges weiss ich inzwischen. Man muss mit beidem umgehen lernen, dem Nichtwissen, wie mit den Tatsachen und man sollte beides weitergeben an die eigenen Kinder, statt zu glauben, die Menschheit sei seitdem anders geworden.

    Die Umweltprotestkultur der Siebzigerjahre im Wendland hat mich mehr geprägt als die Wirtschaftswunderjahre andere Menschen, und habe meine Kinder haben ein entsprechend kritisches Betrachten der Geschehnisse, der Medienprodukte und der Mitmenschen beigebracht bekommen, als die erste meiner Klassenkameradinnen bereits Grossmütter wurde, aber ich war ja nicht die Einzige der sogenannten Babyboomer, die erst ab den 90er Jahren Kinder bekommen hat, das waren viele.
    Mit anderen Worten: die heute zwischen zwanzig und dreissig sind, stellen keine homogene Menschengruppe dar, in unschuldvollen Ignoranz grossgeworden sind weder die Mehrheit der inzwischen vielen hie rgeborenen Migrantenkinder – ich möchte doch auch an die während der 90er Jahre aus den zum ehemaligen Jugoslawien gehörenden Ländern Kommenden erinnern – deren Mütter und Väter zugleich Kriegsgeschehen erlebt haben und im Fluchtland eine Arbeitswelt in Schlachthöfen und Putzkolonnen, vor der viele andere meinten sich fernhalten zu wollen und es auch konnten.

    Es gibt heute ebenso wenig keinen kontinuierlichen Startpunkt für eine „Generation“ der durch die Älteren Benachteiligten und berechtigt Vorwurfsvollen wie es ihn sechzig Jahre zuvor gegeben hat, weil wes auch in der deutschen Zwischenkriegs- und Kriegszeit die einen und die anderen gegeben hat, sogar innerhalb derselben Kernfamilien, wo die Grossmutter der eigenen Enkelin verheimlichen musste, dass sie Menschen im Keller versteckt hat, um ihnen zur Flucht zu verhelfen, während die Jugendliche fasziniert war von den aufregenden „Nazi-Events“ in ihrem sonst so langweiligen Leben und das Lager ignorierte, an dem sie täglich vorbeikam, weil sie glaubte, das habe schon seine Richtigkeit.

    Es gab damals kein Wir und heute gibt es das auch nicht.
    Es ist die Verantwortung eines jeden immer gewesen, kritisch zu hinterfragen. was ihm vorgesetzt wird und was er selbst tut, und im Hinblick auf die Erziehung diese Chance ernst zu nehmen , statt zu delegieren oder sich alles aus der Hand nehmen zu lassen, wie es derzeit gerade wieder geschieht.
    Ist ein solches Gleichschaltungs- System erst wieder durchgängig etabliert, wie während des Nationalsozialismus oder in der DDR, dann bekommen alle ein Problem, die sich einem verordneten Wir widersetzen möchten.
    Allein darum schon bestehe ich darauf, mich keinem solchen Denken zurechnen zu wollen.

    Abgesehen davon finden deine selbstkritischen Einsichten bei mir sehr viel positiven Wiederhall, denn dieses Gefühl des allzu vagen „Eigentlich-Wollens“, statt tatsächlich konsenquent den ethischen Empfindungen entsprechend zu handeln, kenne ich von mir doch auch.

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    1. Liebe Puzzleblume, danke für deine weiterführenden Gedanken. Ich bin in der Regel kein Pauschallist, da dies stets falsch verstanden wird. Schreibe ich WIR und GENERATION meine ich die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umstände einer Zeit. So können Generationen in 10 Jahren oder ebenfalls in 25 Jahren erfolgen, je nach dem wie stabil eine Zeitperiode ist. Alle Menschen haben einzigartige Erfahrungen gemacht und selbst meine Großeltern haben beide Weltkriege er- und überlebt, einmal als Kinder und dann als Produktionshelfer oder an der Front. Nichts davon war leicht zu ertragen, auch ohne sich hinterher für das Nazi sein schämen zu müssen oder entschuldigen zu wollen. Inzwischen sind auch viele der Babyboomer besonnener und schlauer geworden, doch den rollenden Stein haben wir nie zum anhalten gebracht und das wollte ich nur anmerken. Beste Grüße aus Marburg!

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  3. Lieber Arno, selbst bin ich etwa gleichalt mit deinen Eltern, aber wie anders haben wir gelebt! Nie aus dem Vollen, wahrhaftig, sondern immer grad so hingekrakselt. Unsere Mutter, die mit 28 Jahren verwitwete (ich war damals ein Säugling, hatte zwei Geschwister), schaffte es, uns großzuziehen, indem sie ihre Gesundheit mit nächtlichem Stricken und tagsüber Arbeit bem Bauern ruinierte. Später dann Vermietungen an Sommergäste. Ich sehe sie noch, wie sie völlig erschöpft auf den Stufen der Kellertreppe sitzt und weint, weil das Schmelzwasser durch das Kellerfenster stürzt und die mühsam zusammengebrachten Kartoffeln darin schwimmen.
    Wie gern hätte ich Geige gespielt! aber ein Instrument zu kaufen war einfach nicht drin, bis ich sie mir mit 15 selbst verdiente, dazu auch den Unterricht. Wie? Erst Arbeit in der Konservenfabrik (50 Pf Stundenlohn, die Frauen bekamen 1.25), Kartoffelroden, dann später durch Nachhilfeunterricht für jüngere Schüler und 20 Pf für eine 1. So beschaffte ich mir auch mein erstes Fahrrad. Zu Festen bekamen wir selbstgemachte Kleidung, und natürlich gab es kein Auto in der Familie – meine Geschwister haben bis heute keins.
    Bis 26 lebte ich von 300 Mark monatlich und kam damit aus. Dann bekam ich einen Sohn und eine gute Stelle in einem Forschungsprojekt, dennoch trug unser Kind fast nur Sachen, aus denen jemand rausgewachsen war. Und so wuchs unser Sohn mit sehr bescheidenen Konsumansprüchen auf. So blieb er bis heute, obgleich er jetzt gut verdient – in einer kleinen Mietwohnung und ohne Auto.
    Mein Mann hatte es sogar noch schwerer, auch er Halbwaise, er kam mit beendetem Studium als Gastarbeiter nach Deutschland, ohne Sprachkenntnisse, und verdiente sich sein Promotions-Studium in Fabriken, bis die Fr-Ebert-Stiftung ein Stipendium ausgab. Unsere Mutter vererbte uns drei Kindern je 2000 DM, die sie sich für uns vom Munde abgespart hatte. Seine Mutter vererbte uns ein Häuschen im Dorf, das uns half, unser jetziges Haus zu bauen.
    Kurzum: es ist nicht wahr, dass die Generation, aus der du stammst, im Überfluss heranwuchs. Und dass eure Elterngeneration nur an Konsum dachte. Das mag in deinem Fall so gewesen sein, doch die Mehrheit der Bevölkerung hatte es auch damals schwer. Das, was heute als „Nachhaltigkeit“ angepriesen wird, war für uns einfach Notwendigkeit, und wir persönlich fanden das durchaus in Ordnung.
    Politisch war ich eine 65-67erin, AStA FU. Ich schrieb mich in die HSU (Humanistische Studentenunion) ein, die nur drei Mitglieder hatte. Der SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) in Berlin hatte sich von der SPD getrennt und etwa 25 Mitglieder. Wir, die wir an den Nach-Nazi-Verhältnissen, am Kalten krieg litten und aktiv wurden, waren damals eine verschwindende Minderheit.
    Verzeih, lieber Arno, wenn ich auf deinen Lebensrückblick mit meinem antworte. Deins bleibt deins, ändert sich durch meins nicht. Es war mir, wie du verstehen wirst, nur ein Bedürfnis, gegen Generationen-übergreifende Verantwortungszurechnungen zu protestieren. Denn auch wir haben, zu unserer Zeit, getan, was wir konnten. Tut ihr nun das Eure. Mit herzlichem Gruß! Gerda

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    1. Liebe Gerda, danke sehr für deine Geschichte, die ich nicht im Mindesten mit meinen Betrachtungen vermischen will. Natürlich gab es zu jeder Zeit Menschen, welche es schwer in unserem Land hatten und nachdem ich mit 17 ausgezogen worden bin, weil meine Ansichten sehr viel sozialistischer waren, als für meine Familie erträglich, habe ich das harte Brot der Armut gekaut und mich trotzdem nicht korumpieren lassen, von den heimatlichen monitären Aussichten. Trotzdem gab es diese Bevölkerungsschicht, welche lange in saus und braus lebte ohne zu fragen oder großartig nachzudenken, so wie es bei allem immer eine andere Seite der Medaille gibt. Ich finde es nur nicht für mich richtig mit dem Finger auf andere Menschen zu zeigen, wenn es doch selber noch zu verbessern gibt. Meine herzlichsten Grüße zu dir!

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  4. Da gehst Du ja richtig in die Zesur mit Dir und Deiner Vergangenheit lieber Arno!
    Heute haben wir z.B. eine Partei, die im Strickpulover im Bundestag saß, heute sieht man sie im Designer Kleid oder Designer Anzug im Bundestag sitzend! Schicke große Häuser haben sie und ihre Anhänger, mit viel Platz, da könnte man locker Gäste aus dem Ausland aufnehmen! Sie predigen Diktate, die sie früher als Bevormundung empfunden hätten.
    Es ist, wie es zu jeder Zeit und immer war, es wird Wasser gepredigt und literweise Wein gesoffen! Die Ideale verändern sich.
    Du scheinst Deine Konsequenzen für Dich und Deine Lebensweise gezogen zu haben, dass finde ich super!

    Menschen sind nicht perfekt, daher kommt ja auch der menschliche Makel!

    Ich lebe hier auf dem Land und ohne Auto wären hier viele Menschen arbeitslos, da die Busverbindungen haarsträubend sind. Hinzu kommt, dass die Menschen nicht mehr um die Ecke einen Arbeitsplatz finden und teilweise große Strecken zu ihrem Arbeitsplatz zurücklegen müssen.
    Was ich eigentlich sagen will, die Bereitschaft zu einer ökologisch vernünftigen Lebensweise ist bestimmt da, nur nicht in allen Bereichen durchführbar!

    Herzliche Grüße Babsi

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    1. Danke, dass du meinen Artikel so verstanden hast, wie ich es mir gewünscht habe, nicht als Angriff auf Einzelne, sondern als Zäsur vieler Menschen meiner Generation. Die Landflucht ist erschreckend und die Politik schaut auch da wieder nur tatenlos zu. Aber wo sollen dort Infrastruktur und Wirtschaft wachsen, wenn selbst im Jahr 2018 weder Internet noch Mobilfunknetz zu finden sind? Dort lässt sich niemand nieder, um eine Familie zu planen und der Stadt zu entfliehen. Als Dorfkind weiß ich um die Notwendigkeit der Mobilität und die wird immer notwendiger, zieht sich doch der Einzelhandel extrem in die Ballungsgebiete zurück. Beste Grüße aus Marburg, liebe Babsi!

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  5. Lieber Arno, ich kann Gerda nur beipflichten, gehöre ich doch auch ihrer Generation an und auch meine Eltern, denen der Krieg, die Gefangenschaft meines Vaters, ihre Jugendträume zerstörten, haben nicht aus dem Vollen gelebt, sondern sich langsam aber sicher ihren kleinen Wohlstand erarbeitet und verdient und waren immer großzügig mir gegenüber, was aber nie hieß, daß ich in Saus und Braus gelebt habe, ich hätte es mir nie verziehen, wenn sie auf etwas hätten durch ihre Großzügigkeit verzichten müssen. . Mein erstes Taschengeld betrug auch 1 Mark, aber nicht aus erzieherischen Gründen heraus, es langte damals. Sie selber hatten nie ein Auto, ich bekam eins zum 28. Geburtstag geschenkt und in 53 Ehejahren hatten wir drei Autos, das dritte fahre ich noch heute. Uns ging es gut, doch waren und sind wir normale Konsumenten und ich zähle mich nicht zur Wegwerfgesellschaft. Natürlich haben wir uns gute erschwingliche Möbel geleistet und seit Jahrzehnten dienen die Billys als Ordnungshüter für meine Bücher, aber es wurde nur dann etwas erneuert, wenn es zerschlissen oder kaputt war. Unsere Reisen haben wir individuell gestaltet, in Ferienwohnungen , Pensionen gelebt.
    Was ich mir vorwerfe, ist , als die Gewerkschaften mit für unseren heutigen Sozialstaat kämpften, nicht zumindest als zahlendes Mitglied dort eingetreten zu sein, mich auch nie politisch engagiert zu haben, meine Stimme gehörte damals immer der SPD, heute habe ich Schwierigkeiten, wem ich vertrauen soll.
    Unsere Rente haben wir uns erarbeitet, unsere Steuern gezahlt und ich lebe nicht auf Kosten der jungen Generation. Ich bin verdammt dankbar, dass ich 70 Jahre in Frieden in Deutschland leben konnte!
    Der maßlose Kapitalismus hat die Welt und die Umstände verändert, da muß ein Umdenken stattfinden, nur habe ich die Befürchtung, dass die Zeche wieder die Kleinen zahlen, zahlen sie ja schon.
    Die neuen Hypen des Vegetarismus, der veganen Lebensweise, der rein biologischn Kleidung usw.: wer kann sie sich denn wirklich leisten: die Leute, die genug Geld haben, schau mal in den Hess-Katalog oder Grüne Erde, Manufactum usw., es sind wieder die Eliten und nicht das normale Volk.
    Meine Tochter lebt alternativ, kauft dem Enkelfratz nie neue Sachen, sie bewirtschaften ihr Revier unter rein ökologischen Maßstäben in solidarischer Landwirtschaft, haben Komposttoiletten, betreiben Carsharing …nur das kann man nicht auf die Massen übertragen und ich könnte so nicht mehr leben.
    Die Vokabel „Wir“ ziehe ich mir insofern auch nicht an, obwohl ich Vieles von dem, was Du schreibst auch anprangere.
    Wir leben im Moment in einer Welt im Umbruch, wohin politisch die Richtung (überall) geht, ist ungewiß, aber die Zerstörung unserer Erde, die hat nicht erst im letzten Jahrhundert angefangen, die begann mit der Eroberung der fremden Kontinente und deren Ausbeutung.
    Jeder ist anders sozialisiert und bringt seine Erfahrungen mit und muß sich diesen stellen, aber nochmals: bitte kein WIR.
    Lieber Gruß an Dich, Karin

    Da fällt mir noch etwas ein: die alten überlebenden Nazis konnten wieder aufgrund guter Beziehungen unterschlupfen, die heutigen Politiker wohin gehen sie denn, wenn sie politisch ausgedient haben: in die Wirtschaft (durch alle Parteien!)
    Wer finanziert in Amerika die Politiker: die Hochfinanz……es sind die Mächtigen, die Unheil anrichten, nicht das Volk. Das hat alles nur auszubaden und wird dumm gehalten und benutzt.

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    1. Liebe Karin, es ist sehr schön, dich etwas besser kennen zu lernen und deine Eltern haben in einer furchtbaren Zeit gelebt. Ja, es geht um die Eliten, welche ich ganz gut kenne, denen ich dennoch nicht (mehr) angehöre, da ich in meinem Herzen Sozialist bin und für alles Wohlstand fordere, nicht nur für die oberen Zehntausend. Die Mittelschicht ist so sehr abgeschmolzen, dass praktisch jeder ältere Mensch, der nicht 40 Jahre durchgehend gearbeitet hat, gnadenlos auf die Altersarmut zusteuert und dabei wird diesen Menschen dann noch das Joch des Generationsvertrages vorgehalten, obwohl diese nichts dafür können, hat doch kein einziger normaler Arbeiter oder Angestellter jemals Jobs in Deutschland abgebaut. Dies ist ebenfalls der Grund dafür, dass ich keiner Partei vertrauen kann, denn diese Menschen gehören schon lange zu den Eliten und keineswegs zu den Volksvertretern, die diese eigentlich sein müssten! Danke für deinen klugen Kommentar und herzliche Grüße aufs Dach!

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      1. Lieber Arno, in meinem Bekanntenkreis sind alles CDU- oder FDP-LER, ich bin die einzige rote Socke und musste viele Anfeindungen und Herabsetzung und Sprüche über mich ergehen lassen. Ich habe mich nicht beirren lassen, aber diese Altersarmut der künftigen Generation, die Du ansprichst, zu der auch meine Tochter gehört, die macht mir Angst und sie sind wehrlos, denn wer setzt sich schon dann für Alte ein.
        Du wolltest mit Deinem Artikel den Finger in die Wunde legen und das ist Dir auch gelungen, weil jeder, der ihn liest, über sich nachdenkt.
        Sei ebenso herzlich gegrüßt, Karin

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  6. Ein starker Beitrag!
    Widerstand ist immer Kritik und man sieht viel davon, heute. Ich kriege Angst, wenn ich mir Tendenzen unserer Gesellschaft anschaue, Unterrichtsanalysen lese und so weiter. Fetischisierung der Technik, Populismus von links und rechts. Wir leben in einer durch-und-durch rationalisierten, optimierten Welt und doch ist sie so mystifiziert. Hindurchblicken ist schwer. Schon die Schüler werden von der Bildung entfremdet, denn es geht kaum mehr um Inhalte und entfremden sich im Beruf weiter durch Optimierung, Work-Life-Balance, Lebenslanges Lernen, Home Office. Kompetenz und Performanz folgt einem Trend zur Oberflächlichkeit, der sich m.E. in Beziehungsformen niederschlägt, in Gesprächsthemen und im Konsum. Wer darüber hinausblickt, wird umso stärker in den Sog gezogen und assimiliert oder zerschmettert. Selbsttötungen, Depressionen, Wahnsinn, Behinderung. Alles heute normal. Oder Widerstand?

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  7. Scharfsinnige Betrachtung! Dazu müsste jeder ab und zu verdonnert werden: Bedenken was war und ist. Ich versuche als Baujahr 1953 schon länger auf vieles zu verzichten, es geht und es tut kaum weh 🙂 Möchte Dich also bestärken… Hab ein entspanntes Wochenende, Petra

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  8. Ohne vom Thema ablenken zu wollen, störe auch ich mich an der Pauschalisierung der Generation. Ich denke, dass es „die Generation, der man angehört“ nicht gibt, sondern dass es sich um persönliche Erfahrungen handelt.
    So kenne ich die Nachkriegskinder, die das Bedürfnis hatten, etwas aufzuholen, so wie du deine Eltern beschrieben hast. Dann kenne ich aber auch die Nachkriegskinder, die – gerade aufgrund ihrer Erfahrungen – mit allem sehr sparsam sind/waren. Da ist z.B. die klassische „Geschenkpapier immer wieder verwenden, bis es zerreißt“-Familie oder das „Immer drei Zentner Kartoffeln im Keller, aus Angst vor erneutem Hunger“-Ehepaar.
    Ich glaube, es gibt auch in meiner Generation (und ja, ich gehöre zu diesen ekelhaften Millennials) sowohl solche, die nachhaltig, umweltbewusst und selbstreflektiert leben, als auch solche, die sich über Statussymbole und „Erfolg“ (was auch immer das sein mag…) definieren.
    Ändern müssen wir alle etwas. Nur wie das gehen soll, ist noch unklar 😉

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    1. Hi Roe, zu dem WIR und den GENERATIONEN habe ich schon in einem der Kommentare Stellung genommen, aber es ist ja klar, dass jeder Mensch unterschiedlich handelt und lebt. Ich denke jeder muss für sich persönlich etwas ändern und ja, ich benutze Geschenkpapier so oft es geht 😉

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  9. Lieber Arno, ich lese jetzt erst einmal keine Kommentare, ich will frei mit meinem sein und da ist zu allerst die Überraschung, dass es Zeiten gegeben hat, in denen du SO und nicht anders gelebt hast! Ich stelle fest, dass du ein bisschen jünger bist als ich – für mich gab es von Anfang an die Fragen nach der Umwelt, der Verschwendung, meine Freundinnen und Freunde und ich hatten Wohnungen, die wir selbst gestaltet haben, die Möbel kamen vom Sperrmüll und wurden gesäubert, gestrichen oder abgebeizt, ich habe sogar einmal eine Chaiselonge selbst neu bezogen, sah gut aus und hielt so lange, bis die Kinder sie durchgehüpft hatten – meine Autos waren und sind eher Schrottlauben, was allerdings umwelttechnisch auch nicht gerade rühmlich war oder ist – nun denn, ich bin eine Biotante der ersten Stunde, obwohl ich zur Babyboomergeneration gehörte und meine Mutter verstand meinen Minimalismus nicht, den ich bis heute lebe.
    Auch fuhr ich nicht ständig in Urlaub, weder als Kind, noch später und geflogen bin ich erst mit ca. 29 Jahren das erste Mal (von Berlin nach FRankfurt – krankheitsbedingt und mit schlechtem Gewissen)
    So unterschiedlich unsere Biographien sind, so sehr stimme ich dir zu, wenn es darum geht bei sich selbst anzufangen, denn das, was sich jetzt so ganz bewusst und alternativ anhört, hatte und hat seine Tücken, nicht alles war oder ist stimmig.
    Ich danke dir für deine Ehrlichkeit und grüße dich sehr herzlich
    Ulli

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    1. Liebe Ulli, vielen Dank für deinen besonnenen und klugen Kommentar und ich kann dich beruhigen, denn je älter ein Auto ist, desto mehr schützt es die Umwelt. Nichts ist umweltschädlicher, als die Produktion eines Neufahrzeuges. Ich habe meinen Kopf für die Umwelt erst mit mitte 30 bekommen, aber besser spät als nie. Herzlichste Grüße aus Marburg!

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  10. Passt, die genaue Beschreibung, so oder so ähnlich war es damals. und wir geben Dir recht, wir müssen etwas ändern und dabei bei uns selbst anfangen. Wir brauchen nicht mehr jede Saison die neuesten Klamotten ,wir haben genug im Schrank, wir kaufen wenn zeitlose Mode, da hat man länger etwas von. Auto? Unsere beiden sind nun über 30 Jahre alt ,Oldtimer, werde selten gefahren, es gibt genug andere Möglichkeiten.
    KuR

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  11. Ich sitze hier, lese und nicke immer wieder, zu deinem wieder großartigen Artikel, aber auch zu vielen Kommentaren.
    Auch wenn nicht jede(r) sich 1:1 wiederfinden wird und kann, stößt du zum Nachdenken an, setzt viel in Bewegung und das ist das, was wir alle immer wieder bedenken sollten: aus den (ob es die unserer Eltern oder unsere eigenen sind) Fehlern zu lernen und alles zu tun, was unsere Welt für uns und besonders für die Generationen nach uns erhaltens- und lebenswert macht.

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  12. Da hast Du ja ein tolle Schublade aufgemacht, lieber Arno. Das ist auch sicher Diskussionsmaterial fuer Tage, Wochen…..Gut, dass uns die Erde nicht braucht und wir eines Tages einfach verschwinden und die Erde sich dann auf ihre Weise erholt. Natuerlich haben wir von allem zuviel und die Werbung macht uns Glauben, wir haben noch zuwenig. Auch das entscheiden wir selber. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade die juengere Generation sich von vielem befreien moechte und nach dem Motto lebt: weniger ist mehr und gluecklich sein steht ueber dem Geld. Wobei wir alle wissen, wie sehr es unser Leben vereinfacht, wenn das Bankkonto gut gefuellt ist. Jeder hat so seine eigene Geschicht und gibt dem Material eine Wichtigkeit im Leben. Wozu ein Auto kaufen, wenn U-Bahn, Fahrrad und zu Fuss gehen in einer grossen Stadt mehr Sinn macht. Auf dem Land ohne U-bahn und 2 mal am Tag ein Bus kann es sehr hilfreich sein ein Auto zu haben. Allein ein Arztbesuch wird zur Herausforderung.
    Ein krasses Beispiel fuer Ueberfluss in unserer Gesellschaft ist es, wenn jemand Gewicht verlieren will und sich super teure low calorie Produkte kauft. Wir haben zuviel Lebensmittel, kaufen zuviel und werfen zuviel weg. Wie waere es mal mit gezielt kaufen, weniger Essen und evtl. mal einen laengeren Fussweg zum lokalen Markt einkalkulieren.
    Ich bekomme meine lokale Gewuese/Lebensmittelkiste mit dem Elektroauto geliefert……..Montreal eben 🙂 den Rest mache ich mit dem Rad und der Ubahn.
    lieben Gruss aus dem sommerlichen Land der Elche.

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  13. Lieber Arno, ich gebe dir in vielen deiner Beobachtungen recht. Dennoch muss ich sagen, dass sich die Lebenswirklichkeit, in der ich aufgewachsen bin, deutlich von der deinen unterscheidet. Das könnte am Aufwachsen in einem anderen politischen System gelegen haben oder es beruht auf dem Unterschied zwischen Land und Stadt oder einfach darauf, mit wenig Geld auskommen zu müssen, oder sich einen gewissen kindlichen Idealismus bewahrt zu haben. Jedenfalls sehe ich auch viele Gegenbeispiele und hoffe, das mein Sohn dereinst nicht zur radikalen Konsumgesellschaft gehören wird, sondern mehr von seinen Eltern als aus dem TV lernt.

    Um es mal mit Kästner auf den Punkt zu bringen: „Es gibt nichts gutes, außer man tut es.“

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  14. Mit großem Interesse gelesen- in vielen Punkten habe ich mich erkannt.
    Seit einigen Jahren „verzichten“ wir auf einige Dinge und haben damit gewonnen.
    Vor 5 Jahren das Auto verschenkt … eine gute Entscheidung.
    Wir leben ohne TV (naja, dafür sind wir online 😏
    Allerdings ohne Facebook, Whatsapp und oft ist das Smartphone ausgeschaltet.
    Bei vielen Bekannten gelten wir als etwas wunderlich- auch weil ich nicht gerne shoppen gehe.
    Sicher gäbe es noch vieles zu verändern. Wir sind auf dem Weg – für uns, die Kinder und die Zukunft.
    Kleine Schritte. Aber es geht uns gut dabei.
    Schöne Grüße.
    Margot

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    1. Danke für deinen guten Kommentar und Moin an die Nordsee! Ja, so ist es. Noch sind die Menschen wunderlich, die bereits etwas verändert haben. Sicher denken meine Nachbarn ebenfalls, „was für ein wunderlicher Kauz, der Garagen hat, aber keine Fahrzeuge mehr.“ Nach fünf Jahren haben die sich daran gewöhnt und meine kleinen Ökoprojekte werden aufgenommen und nachgemacht, ohne viele Worte. Aber alles beginnt ja bekanntlich im Kleinen 😉

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  15. Lieber Arno! Es klingt alles plausibel, richtig, was Du schreibst und ich kann es gut nachvollziehen! Ich weiß ja auch, dass Du in letzter Zeit sehr viele belastende Ereignisse erleben musstest, die den Blick auf die harte, reale Welt freigegeben haben. Wenn man sich alles genau überlegt, tut es weh, und deshalb machen die meisten die Augen davor zu und stürzen sich lieber in den Konsum …
    Ich selbst kann mir eines nicht vorwerfen: Die Realität bezüglich der Umwelt verkannt zu haben. Von klein auf haben mir, trotz Wohlstand, alle erzählt, wie schlimm es unserer Welt geht, Ich habe schon wegen der Flurbereinigung tagelang geheult, mich als Jugendliche stark engagiert und seit ich 13 Jahre bin jede Sommemrferien gearbeitet. Allerdings brüste ich mich sicher nicht, denn ich war in mancher Hinsicht sicherlich naiv und meine Umwelt wusste das nur zu gut zu nutzen. Denn die Menschen an sich habe ich immer (und tue es immernoch) viel zu gut eingeschätzt, weshalb ich diesbezüglich regelmäßig auf die Nase falle und wohl auch bis an mein Lebensende fallen werde. Aber das nehme ich für mein friedliches Weltbild, dass ich im Herzen bewahre, in Kauf. Denn gleichzeitig weiß ich, dass ich bei allem Mist Glück gehabt habe, heute zu leben …
    Dies als kleiner Trost, alles Liebe, Nessy

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    1. Liebe Nessy, selbst an Deinem Blog kann man Deine Veränderungen in den letzten Jahren ablesen, wenn man das will. Ich denke, Du schätzt meine Situation ziemlich gut ein und manchmal macht man dann einen verbalen Befreiungsschlag, um sich danach wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, die Menschen im eigenen Umfeld. Ich weiß, dass Du ebenfalls eine leidenschaftliche Familiehüterin bist, weshalb uns beiden sehr an unserer Umwelt gelegen ist. Vertrauensvorschuss an Menschen zu geben, ist sicher kein Fehler, auch wenn es mal im Schmerz endet, denn was wäre die Welt schon, wenn sie voll von Pessimisten wäre. Dir und Deiner Familie nur das Beste!

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