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Aus diesen beiden Zahlen besteht unser aller Leben. Ob wir einen PC besitzen, ein Smartphone, ein TV-Gerät, in Europa wohnen, in Asien oder Afrika. Sie besitzen alle diese Geräte nicht? Keine Kreditkarten, sind kein Payback Punkte Sammler, zahlen nur bar, fahren kein Auto, die Kinder sind schon weg oder gar nicht vorhanden? Sie haben keine Freunde, die Familie ist nach Timbuktu gezogen, ohne Ihnen eine Adresse oder Telefonnummer zu hinterlassen und eine Wohnung haben Sie ebenfalls nicht? Glückwunsch, Sie können hier aufhören zu lesen (stimmt ja, Sie haben ja keinen PC, sondern lesen diesen Artikel anonym in einem Chat-Café). Jetzt sind Sie eine fast virtuelle Leiche und volkswirtschaftlich wahrscheinlich eine Null, oder wirklich seeeehr spleenig. Übrigens, der Titel heißt einfach „Mensch“, nix weiter.

Hand aufs Herz, ein bisschen mehr, als dieser fiktive Erimit, stehen wir schon im Leben oder im virtuellen Raum, nicht? Selbst, wenn wir das böse Amazon meiden, Zalandoo ignorieren, unser Handy fast nie benutzen und eingeblendete Werbebanner niemals anklicken, so gibt es uns doch und das so gut, als wenn wir auf nichts verzichten würden. Doch wie sollte das möglich sein? Um diese Fakten zusammenzutragen habe ich mit Experten auf den Gebieten Google, Darknet, Datensammlung und Netzabtastung gesprochen und dies völlig ohne Tabus. Ich selbst hatte meinen ersten PC (ZX 80/81) 1980 und habe dann einfache Programmiersprachen erlernt, um kleine Programme schreiben zu können. Doch spätestens als Microsoft sein erstes Betriebssystem auf den Markt gebracht hat, war ich nur noch ein DAU (Dümmster anzunehmender User) oder knapp darüber. Doch die Menschen mit denen ich gesprochen habe, waren immer Programmierer, kennen alle Tricks, können fast jeden PC der Welt lokalisieren, wissen wie man sich verbirgt und wie man andere getarnte Personen findet. Wie geht das?

Nun, wie man unsichtbar bleibt, habe ich oben beschrieben, wobei man dann ebenfalls auf eine reguläre EC Karte und weitere Dinge des alltäglichen Lebens verzichten müsste, um wirklich zu verschwinden. Sind dann Filme wie „Der Staatsfeind No 1“, mit W. Smith in der Hauptrolle, totaler Science Fiction? Leider nicht, im Gegenteil. Die dort aufgeführten Methoden sind längst nicht mehr aktuell, sondern der Schnee von vorgestern. Gut geschriebene Algorhytmen errechnen heute alles um uns herum, sogar uns selbst, falls wir nicht im Internet sind und das geht so. Irgendjemand in Ihrer Familie oder im Freundeskreis schreibt über Sie, ob mit Klarnamen oder mit einer putzigen Abkürzung. Je länger über Sie geschrieben wird, desto konkreter werden Sie als Person, bis der Algorhythmus einen verwertbaren Datenmenschen aus Ihnen erschaffen hat. Im Idealfall ist dann Ihre Adresse bekannt oder zumindest eine Wohngegend und je nach Einschätzung aller Bewohner dieser Region, wird dann Werbung abgestimmt, Postwurfsendungen werden generiert, Kataloge verteilt oder es passiert nix, da Sie in einem sozialen Brennpunkt ohne kommerziellem Hintergrund leben. Falsch, denn Sie sind ein gefundenes Fressen für Schuldnerberatung, Kreditangebote ohne Schufa usw.

Jetzt sind Sie erschreckt? Das ist doch gar nix, denn Sie SIND ja nicht fast unsichtbar, weil Sie eben ein normales Leben führen. Daraus kann ebenso Ihr Lebensstil, Ihr wahrscheinliches Alter und natürlich ein errechneter Zeitpunkt Ihres wahrscheinlichen Ablebens festgestellt werden.  Die Datenkraken wissen ob Sie Single, Familienmensch, Stalker oder ein Kleinkrimineller sind, der vom LKW gefallene Artikel bei Ebay Kleinanzeigen vertickt. Weiß unser Staat davon und wenn, warum unternimmt er nichts dagegen? Zum Einen hinkt unser Staat mindestens Jahre hinterher und zum Anderen beschließt die Regierung immer nur Gesetzte, welche sofort wieder umgangen werden und wenn es nur ist, illegale Firmen virtuell ins Ausland zu verlegen und damit den Zugriff der Deutschen Justiz zu umgehen. Wenn sich also ein Mark Zuckerberg für Versäumnisse beim Datenschutz entschuldigt und FB anschließend verkündet, wie viel besser und sicherer jetzt alles ist, wirkt das genauso glaubwürdig wie die Aussage von Winterkorn (ehemaliger VW Vorstandvorsitzender), er habe von dem Dieselbetrug nichts gewußt. Natürlich möchte auch unser Staat gerne alles über uns wissen und je mehr wir bei allem mitmachen, desto besser ist er über uns im Bilde. Von der Steuererklärung über den Kitaplatz und der Krankenkarte, bis hin zur Altersvorsorge weiß er so viel über uns, dass Gesetze bereits entwickelt werden können, wenn absehbar ist, wann die Ausgaben für ein bestimmtes Budget (z.B. Rente) zu sehr ansteigen, um es wieter bedienen zu wollen. Deshalb werden dann Rentenniveaus abgesenkt.

Ich sehe die Zornesfalte auf Ihrer Stirn, aber die wird Ihnen noch vergehen, denn dies alles ist nur die Spitze des Eisberges, der bekanntlich ja sieben Zehntel seines Volumens unter Wasser hat. Wegen der gewaltigen Datenströme (Stichpunkt TV streamen) wird alle 18 Monate der Strombedarf im Netz verdoppelt und schon jetzt kommt die private Wirtschaft kaum noch hinterher neue Rechenzentren mit immer mehr Leistung zu erbauen, um der Nachfrage an Datenaustausch Herr zu werden. Weitere Algorhythmen errechen unseren Fernsehgeschmack, wie unsere Sendungen aussehen sollen, ab wann wir anfangen umzuschalten bzw. den Film, die Sendung usw. abschalten. So wird alles passend zugeschnitten und die freie Auswahl, von der jeder Mensch träumt, ist dann tatsächlich ein Traum, denn wir bekommen nur noch zu sehen, was wir immer wollten und nicht das, was wir vielleicht mehr benötigen, um eigene Entscheidungen zu treffen.

Ja, wir sind nicht nur nackt, wir sind tatsächlich schon lange gläsern und in wenigen Jahren werden wir unsichtbar und existieren nur noch als Konsument, zumindest virtuell. Können wir das Rad nach hinten drehen? Keine Chance, denn wir leben im digitalen Zeitalter und da existieren nur noch Nullen und Einsen, ob in der Medizin, im Leben oder bis in den Tod, der bisher noch analog funktioniert, aber seien Sie sicher, dass bereits an dem automatischen Ableben zumindest gebastelt wird, natürlich alles zum Nutzen der Menschheit und Sie haben ja alles mitgemacht! Gut, Sie wußten es nicht besser, aber entweder haben Sie nichts zu verbergen (eine gern genommene Floskel) oder Sie entrüsten sich ein bisschen, lassen das Handy 7 Stunden aus, um dann zu erkennen, dass Sie Ihren Arsch eh nicht mehr retten können. Wissen Sie was? Sie haben sogar recht, aber machen Sie es den Datensammlern nicht zu leicht. Ein bisschen können die sich ja auch mal anstrengen, außer nur aufs Knöpfchen zu drücken. Das Knöpfchen gibt es natürlich nicht. Das war nur der Versuch eine humoristische Pointe zu erschaffen, rein virtuell, versteht sich.

Ich weiß, jetzt würden Sie am liebsten abhauen und für immer aus der virtuellen Welt verschwinden. Mit dem Auto! Nein, hat zu viele verfolgbare PCs, die jeden Meter registrieren. Mit der Bahn oder dem Flugzeug! Sie haben mir nicht zugehört, denn die Tikets werden ja gedruckt, meist virtuell. Zu Fuß! Ja klar, aber wie weit kommen Sie schon mit den online bestellten Billigtretern? Spätestens irgendwo in Europa werden Sie aufgelesen und zurückgeführt, wie es so schön heißt. In Zukunft läuft sowieso alles über das Stromnetz und spätestens dann sollten Sie die Tür nur noch mit Maske aufmachen, damit sich wenigstens der Paketbote erschreckt. Auch ein Scherz, denn wer benötigt noch Boten, wenn Roboter die Arbeit 24 Stunden am Tag erledigen ohne Lohn zu verlangen. Genau aus diesem Grund muss es das Grundeinkommen geben, weil wir ja am Leben bleiben müssen, um Konsumnachfrage zu erzeugen, jedenfalls so lange, bis sich die Maschinen gegenseitig genügen. Bereits jetzt gibt es Erfolge auf dem Gebiet der KI (Künstliche Intelligenz), also Maschinen die selbstständig lernen, sich verbessern und damit klüger werden, um unsere Wünsche schneller erfüllen zu können und manche kaufen sich die Versuchsdinger und stellen Sie zu Hause hin, als Statussymbol.

Es grüßt Sie Ihr Arno von Rosen. Gelegenheitserimit, Teilzeitaktivist, gläsern, aber noch nicht durchsichtig und immer an der wahren Zukunft interessiert. Seien Sie vorsichtig, wem Sie vertrauen und machen Sie bei sich keine Ausnahme. Ich grüße natürlich ebenfalls die mitlesenden Algorhytmen, Alexa, Siri & Co.

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58 Gedanken zu “010011010110010101101110011100110110001101101000

      1. Ja, weil die meisten Augen zwar offen, aber nach unten auf ein Smartphone gerichtet sind. 😉

        Aber es besteht noch Hoffnung: Ich bekam heute von einem ehemaligen Schüler ein Foto aus einer U-Bahn (glaube ich), an deren Innenwand ein Gedicht von Heinz Kahlau, den ich sehr mag, aufgedruckt war. Besagter Ex-Schüler geht also trotz Smartphones mit offenen Augen durch die Welt. Das hat mich natürlich in mehrerer Hinsicht gefreut.

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  1. Vom LKW gefallene Artikel…Nett.
    Wir saßen beieinander und redeten über rote Vorhänge, ein Handy lag scheinbar belanglos in der Nähe.
    Kurze Zeit später gab es die entsprechende Werbung auf den Geräten der an der Unterhaltung beteiligten.
    Nicht nett.
    Du sagst deutlich, was Sache ist und sein wird. Kein Zurück mehr.

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  2. Danke Arno, wir wissen es und ignorieren es, ist es nicht so? Okay, ich gehöre ein bisschen noch zu den Altmodischen, kein Smartphone, kein GPS im Auto, aber eben ein PC und allein das reicht ja schon! Nein, mir gefällt das alles nicht, weil es eben zu Machtmissbrauch einlädt.
    herzliche Grüße, Ulli

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      1. Ich bin mir nicht so sicher, lieber Arno, ob Macht IMMER missbraucht wird..
        Wir hatten hier, in Bloghausen, vor einigen Jahren mal einen Diskurs über die Macht. Ich musste eingestehen, dass ich bis dahin Macht immer als etwas Negatives angesehen habe, es gab andere, die Macht anders definierten, nehme ich jetzt mal die Eigenmacht oder wie ich es gerne nenne die Eigenermächtigung, dann ist da kein Missbrauch und verliert die Macht auch ihr Negatives.
        Dann denke ich auch an die „gütigen“ Könige und Königinnen, die nur woll(t)en, dass es ihrem Volk gut erging, auch wenn wir sie heute fast nur noch aus den Märchen kennen, so hat es diese doch wohl gegeben und wenn ich an den König von Bhutan denke, dann gibt es wenigstens einen auch noch heute (?).

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      2. Bei „guter Macht“ wandelst du aber in einem sehr kleinen Land, liebe Ulli und natürlich sind Verallgemeinerungen fast immer falsch, aber es geht mir da mehr um die Macht der Politik in Verbindung mit der Macht des Kapitals, nicht die Macht der Bevölkerung, die stets zu wenig genutzt wird, um Gutes zu bewirken.

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  3. Schön spitz geschrieben und sooo wahr. Ich hab lange gedacht, wenn ich kein Handy benutze (ich wohne im Funkloch). bin ich halbwegs außen vor, aber dann ging die Internetwerbung via PC auf mich los – da war klar – alles zu spät… Danke Arno, für das Rütteln im Tiefschlaf. Hab einen entspannten Abend

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    1. Komisch, keiner will eine Eins sein, liebe Anna-Lena 😀 Dabei ist die Null eune Zahl, wie jede andere auch, im Gegenteil, sie hat zumindest mathematisch einen kleinen Sonderstatus 😉 Ich finde Nullen sowieso besser, da sie an extravagante Teller erinnern 🙂 Hab einen schönen Tag!

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  4. Du bringst es auf den Punkt! Wir sind einfach nur noch so frei, wie wir guten Gewissens sein wollen. Meistens vergisst man dass die A-Seite eben auch noch eine B-Seite hat. Als es noch Platten gab, hat das jeder irgendie verstanden, dass die B-Seite eben nur eine Kompensation für die tolle A-Seite ist, die wir damals alle gewollt haben. Für die B-Seite hat sich keiner von uns entschieden, die hat er einfach nur mitgeliefert bekommen….

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  5. Dankeschön für Deine Überlegungen Arno.

    Ich werde erstmal heute Nacht davon träumen. Ich selbst habe ja kein Handy, aber Frauchen und die fotografiert mich ständig und postet das auch noch.
    Sie sagt, sie findet die Leute so schlimm, die ihre, also Frauchens Daten (Name, Anschrift, E-Mail-Adresse, Geburtstag etc.) in deren Smartphone programmieren und dann Whats App und allen anderen erlauben, diese Daten von Frauchen zu lesen und zu speichern. Sie möchte das nicht und macht das auch nicht mit den Daten von anderen auf ihrem Smartphone, aber die anderen immer noch, trotz Bitte es sein zu lassen. Menschen sind doch schon manchmal blöd, findest Du nicht?

    Gute Nacht und schlaf schön, ich geh jetzt auf raus und inspiziere – ohne Smartphone – ohne Kamera und ohne GPS…

    Viele Grüsse vom kleinen Kater Steve und seinem Frauchen 🙂

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    1. Guten Morgen Steve, ich würde mir wünschen, dass Menschen so schlau wären wie Katzen, denn die sägen sich nicht dauernd die Ast ab, auf dem sie sitzen, stimmts? 🙂 Tja, leider hat dein Frauchen recht. In der heutigen Zeit ist niemand mehr eine Insel, selbst, wenn man nicht gleich entdeckt wird 😉 Habt einen entspannten Tag!

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  6. Lieber Arno,
    ich musste lachen, auch wenn es ernst ist. Da versucht man ein wenig die Anonymität zu wahren, wenn man denn ein wenig nachdenkt, so ganz klappts leider nie, es sei denn man quartiert seine Sippe am Nordpol ein, mit der Hoffnung das dort zumindest kein Internet und kein Mobilfunk , so ohne weiteres möglich sein wird. Alles damit die Doofen nicht verkünden , „wieso man kann doch keine E-Mails versenden ohne den vollen Namen plus Postanschrift und allen Telefonnummern anzugeben , das erwarte ich auch von Dir. “ Man sollte sich in einem solchen Fall nicht scheuen die “ liebende Sippe“ auf den Mars zu exportieren One way ticket, bitte!!
    Es genügt im Internet nach Mausefallen zu suchen um seine persönliche Katastrophe zu erleben, leider hat sich dies noch nicht unter der Mehrheit den Doofen herumgesprochen.
    In diesem Sinne fröhliches konsumieren
    KuR

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  7. Was Datenschutz angeht (also den meinigen) habe ich längst resigniert. Jeder kann für 10 EUR beim Einwohnermeldeamt eine Anfrage machen, wo eine Person lebt. Insofern bleibt zum kompletten Datenschutz tatsächlich nur die Hütte im Wald. Und wer will das schon…

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      1. Ach, das kann man? Es gibt Menschen, von denen ich definitiv nicht möchte, dass sie wissen, wo ich lebe. Aber wenn du schon nicht prominent genug bist 😉
        Ich fände es gut, wenn es die Option wenigstens für Privatpersonen gibt. Dass es bei Firmen und unter gewissen Umständen (Strafverfahren, Erbschaftsangelegenheiten, etc.) erlaubt sein sollte, die Adresse herauszufinden, finde ich in Ordnung. Aber dass das auch für Privatpersonen gilt, finde ich gruselig.

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  8. Lieber Arno! Wieder einmal höchst eindringlich mit der berühmten Brise Sarkasmus erklärt! Danke Dir dafür! Ein weiteres Problem ist auch die ,,künstliche Stimmungsmache “ im Netz … Auch so eine Geschichte… Meine Hoffnung ist, dass auf der anderen Seite ein paar Menschen wenigstens das Netz nutzen, um Informationen über Fakten zu nutzen, wobei diese Fakten eben oft keine sind! Aber Du weißt, dass ich für eben solche ,,Fakten“, zumindest in der Medizin kämpfe… Wie dem auch sei …Da wir ja, wie Du schreibst, nicht mehr zurück können, bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als möglichst das Beste daraus zu machen…Alles Liebe, Nessy

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