Literarisches von der FBM18

P1170039Zuerst die gute Nachricht. Ich bin dieses mal nicht durch den Boden des Pavillions gebrochen, habe einen Scheinwerfer umgerissen und die Tonanlage außer Betrieb gesetzt 😀 Okay, das könnte daran liegen, dass die Messegesellschaft ein neues Pavillion gebaut hat, wo die Technik bereits intergriert wurde und der Boden nicht mehr aus Einzelbrettern besteht 😉 Insgesamt war diese Messe von den Ausstellern eher schlicht und kostengünstig gehalten, falls es kostengünstig auf einer Messe überhaupt gibt 🙂 Einige Stände waren dieselben wie letztes Jahr und Ausreißer nach oben gab es überhaupt nicht. Die Cosplayer hatte man komplett auf den Sonntag verschoben, wohl, um dann nochmals Publikum zu ziehen, was mich als Fachtagebesucher etwas geärgert hat. Das Spardiktat hatte ich ja bereits in meinem kulinarischem Rundgang erwähnt, sodass wir gleich zu den Highlights der Literatur kommen können 😉

P1170103Klar habe ich beim Gastland Georgien vorbei geschaut und war total enttäuscht. Der dunkel gehaltene Raum hatte eine Landschaft aus Stellelementen, die mich stark an die Pausenkatzenvideos der 70er Jahre erinnerte und vielleicht ist es nur Pech, dass ich gerade keine Literaten getroffen habe, aber immerhin die Stars der DJ Musikszene des Landes, die mich dann mit ihrer (wahrscheinlich hippen) gruseligen Kakophonie an Tönen aus der Halle trieb. Kein Vergleich zu Frankreich im letzten Jahr.

P1170006Meine sonstigen Schwerpunkte lagen in den Hallen 3.0 und 3.1, aber auch Halle 4, 5 und ein kleiner Rundgang durch die Fotowelten gehört dazu, wo mir wieder Reinhold Messner über den Weg lief, den ich kurz zuvor bei seinem Auftritte besucht hatte. Er ist immer der Mahner für das Leben und gegen kommerzielle Interessen um jeden Preis. Erst bei meiner Begenung bei den Kalendern (er interessierte sich besonders für alte Handelsruten in Afrika/ vielleicht ein neues Projekt?) fiel mir auf, wie klein und schmächtig die Mann ist, der im TV immer wie ein halber Yeti auf uns wirkt. Auch seine Hände haben eher etwas kindliches, als einen zupackenden Charakter. Man sollte sowieso nicht von Äußerlichkeiten auf die Fähigkeiten eines Menschen schließen.

Der Deutsche Buchpreis ging 2018 an Inger-Maria Mahlkes, die Gestenreich erklärte, warum sie darüber glücklich ist, dass Deutschland anscheinend doch noch liest. Überhaupt neigen Autoren/ Schriftsteller dazu alles mit ihren Händen erklären zu wollen, obwohl ihnen die Kunst der Worte durchaus bewußt sein könnte. So war es schwierig vernünfte Bilder zu machen, da ich weder Blitze noch andere Hilfsmittel verwende, um in den teilweise dunklen Hallen mit miesen Spots meinen Job zu erledigen.

Auf der ARD Bühne gaben sich die Prominenten die Klinke in die Hand und so referierte Professor Dietrich Grönemeyer über sein Spezialgebiet Rückenleiden und wie darauf hin, dass 90% aller Schmerzen von falsch belasteter Muskulatur herrühren würden und er eher nicht zu den technisierten Ärzten gehören würde, sondern eher praktischer Natur wäre. Esther Schweins sprach in einer Gruppe über 100 Jahre Frauenwahlrecht (was die Frauen wohl gestern in Bayern gewählt haben?) und Wladimir Kaminer riet uns, Russland nicht nur als Wirtschaftsland zu sehen, sondern sich mit den Menschen anzufreunden. Er ist ein köstlicher Unterhalter und bekam vom Fachpublikum den meisten Applaus.

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Daniela Dröscher

Sogar in meinen kleinen Ruhepausen auf dem Außengelände liefen mir TV Kameras mit Literaten über den Weg und allerorten wurde jedes nur denkbare Smartphone als Live-Fernsehstation missbraucht. Ob man das alles gesehen haben muss? Ich wohne ja nur etwa 100 km nördlich von der größten Buchmesse der Welt, deshalb stellt sich die Frage für mich nicht. Einmal im Leben sollte man dagewesen sein, um den hektischen Irrsinn einzuatmen. Wer es sich nicht leisten möchte, meldet sich als Blogger oder Influenzer an, wie bereits 5000 andere, die mittlerweile mit bunten Haaren, schrillen Klamotten und im Tross zur Buchmesse strömen, dem Internet Hype sei dank 😉 Für jene ist die Messe, inklusive Parken, nämlich kostenfrei und an allen Tagen zugänglich. Vielleicht sehen wir uns dann im nächsten Jahr, falls ich nicht doch mal als schreibender Autor dort aufschlage, bei miesem Licht und schalem Wasser 😀

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Amelie Fried

Ein ganz wichtiger Termin war die Präsentation des Buches „Paradies“ von meiner Freundin Amelie Fried, die natürlich ebenfalls gestenreich einem großen Publikum die Wendungen in ihrer Geschichte beschrieb und ich freue mich sehr für ihren Erfolg bei einem namhaften Verlag. Es ist nicht so leicht heutzutage ein Unternehmen für das eigene Buch zu finden, denn fast alle wollen im Vorfeld schon eine Gewinngarantie haben, um sich im Markt behaupten zu können.  Es würde schon helfen die riesige Veranstaltung bunter und interessanter zu gestalten und dass dieses möglich ist, weiß ich aus meiner Zeit als Manager von weltweitem Messeservice, in einem meiner vorigen Leben 😉

Gesichter der Messe, die ich interessanter fand, als so manchen leblosen Stand, wo Menschen in Anzügen ihre Angst vor Misserfolg ausschwitzten 😉

Mein schönstes Bild der Messe war ein 70 Jahre alter Porsche 356 B!

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54 Gedanken zu “Literarisches von der FBM18

  1. Angst vor Misserfolg ausschwitzen – überall – junge und ältere Menschen unter immensem Druck. Wohin soll das führen?
    Die Hände, klasse! Die Beschreibungen: DANKE. Schöne kleine Reportage!
    Wie lange ist es her, dass ich auf dieser Messe war- jedenfalls stand da Gunter Sachs im Jeansanzug mit rotem Halstüchlein, muss lange her sein…
    Gruß von Sonja

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  2. lieber arno, danke für den bericht von der buchmesse. ich war noch nie dort, aber jetzt doch irgendwie – dank deiner lebhaften schilderungen. ich freue mich zu hören, dass du nirgends eingebrochen bist. 🙂 amelie fried, von ihr habe ich lange nichts gehört und gelesen, überhaupt fällt mir gerade nicht ein, womit sie noch gleich erfolgreich war? aber dass sie erfolgreich war, erinnere ich. ist sie eigentlich verwandt mit erich fried? wie dem auch sei – lieber arno, danke für deinen bericht und die vielen interessanten fotos. r. messner ist ein interessanter mensch, ich glaube, die haare sind es, die suggerieren, er sei, wie du sagst, ein yeti. ich höre ihm gerne zu, wenn er irgendwo spricht. und dir auch. hab eine gute woche, lieber arno.

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  3. Herzlichen Dank für die spannenden Eindrücke.

    Hinsichtlich der unfreiwilligen Pavillon-Demontage muss ich gestehen, den entsprechenden Beitrag erst jetzt gelesen zu haben. Zur Strafe muss ich nun erklären, warum ich mir im Büro am PC – Pause hin oder her – Lachtränen aus dem Gesicht wische und ich fühle mich ob meiner Schadenfreude irgendwie schlecht. 🙂

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  4. Das ist der beste Bericht über die Buchmesse, den ich gelesen habe. Danke dafür…
    Bei meiner Begegnung mit Reinhold Messner vor einigen Jahren ging es mir genauso wie dir, ich war höchst überrascht, wie präsent und groß dieser Mann in den Medien wirkt – und wie klein er in Wirklichkeit ist.

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      1. Es gibt Persönlichkeiten, die haben eine dermaßen starke Präsenz, dass sie riesig wirken, obwohl ihre Körpergröße eigentlich eher unterdurchschnittlich ist. Bei der Starsopranistin Waltraud Meyer ist mir das vor etlichen Jahren auch aufgefallen, ihr ist diese Eigenschaft auch zu Eigen.

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  5. Ist tatsächlich schon 1 Jahr her?! Ich erinnere mich noch gut, lieber Arno, an deinen Beitrag vom vergangenen Jahr!! 😅 Kabelgewirr und Bühnenkrach! 🤗
    Du hast viel gesehen auf der diesjährigen FBM und wunderbar geschrieben. Das Bild vom Porsche….👍😍

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  6. Lieber Arno! Sehr schön beschrieben! Da muss ich gar nicht mehr hin… nee. Spaß bei Seite, auch ich habe mir das schon angetan, wobei ich nur aus einem bestimmte Anlass dort war, während Du ja so richtig ins Geschehen eingetaucht bist, wenn auch ein wenig Enttäuschung herauszulesen ist! Klar, dass DU das besser organisiert hättest ;-)! Deine Bilder sind jedenfalls supi, besonders gefällt mir der Messer-Taiwanese? Chinese? Japaner? ich bin so schlecht in der Zuordnung… Aber dieser Gesichtsausdruck ist absolut krass – was der wohl in dem Moment gedacht hat? Wer war denn das? Ein Autor? Ich finde es verblüffend, dass man in Gesichtern der eigenen Kultur oft soviel herauslesen kann, sobald die ,,Rasse“ (blödes Wort, sorry) nicht die eigene ist, tut man sich damit gleich viel schwerer… Also, ich zumindest… Alles Liebe, Nessy

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    1. Guten Morgen liebe Nessy, ich weiß ebenfalls nicht woher der gute Mann stammt, aber ihm war soooo langweilig, dass er spontan anfing sich ein Messer aus der Ausstellung zu schnappen und Grimassen für mich zu ziehen 😀 Dann habe ich mich höflich bedankt und er hat geantwortet, „Kein Problem, hab ich gern gemacht!“ So ist das mit unseren Vermutungen wohl häufig 😉 Hab eine wunderbare Restwoche!

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