Alltag August 2019

Die wunderbare Idee von Ulli Gau jedes erste Wochenende im Monat etwas über den eigenen Alltag zu schreiben, habe ich nicht vergessen, nur quetsche ich nicht gerne Beitrag an Beitrag, da es mir viel wichtiger ist, dass meine Lesenden (blödes Neudeutsch) erfreut sind von mir zu hören, anstatt einfach nur auf „gefällt mir“ zu drücken, was ja jetzt auf „like“ geändert wurde, weil wir ja in Deutschland gerne englische Begriffe für Hipp halten 😉

So hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte ein neuer Sprachenalltag in Deutschland herausgebildet, welcher nicht nur eine ständig wechselnde Jugendsprache in sich aufnimmt, sondern zunehmend mehr amerikanische Begriffe in unseren Alltag integriert (einfügt). Selbst deutsche Firmen machen Werbung mit englischen Aussagen, ob „Your Partner in beauty“ oder „the online beauty destination“, „Taste the Rainbow„, aber auch Begriffe wie Slashes, Vintage, Worst Case, Sale, Broadcast yourself und viele mehr. Zwar ist die Marktforschung der Meinung, dass diese neuen Begrifflichkeiten zum Verkaufserfolg eines Produktes beitragen, aber tatsächlich gibt es eine Studie, dass nur etwa 28 Prozent der Menschen den tatsächlichen Sinn dieser Botschaften verstehen. Obwohl ich im Geschäftsenglisch keine Probleme habe, sind mir in Englisch hingeschnodderte Sätze in der Werbung oder im Alltag ein Greuel. Da wird der Kaffee zum mitnehmen zum „Coffee to go“, doch weil selbst der Ladenbesitzer nicht weiß was dies heißt, schreibt er darunter „jetzt auch zum Mitnehmen“, doch dies sind nur mehr oder weniger bekannte Aussagen des sogenannten „Denglisch“ (eine Wortmischung zwischen Deutsch und Englisch). Im Computerbereich gibt es oft keine deutschen Begriffe oder es würde diese keiner verstehen, da wir uns in Teilen unserer Sprache bereits an solche Ausdrücke gewöhnt haben wie „copy und paste“, anstatt kopieren und einfügen zu sagen. Noch schlimmer ist, dass sich solche Aussagen sprachlich sogar mischen, und täglich werden es mehr Wörter die unseren Sprachalltag fluten.

Die Deutsche Sprache ist eine der umfangreichsten der Erde und es gibt für fast alles ganz feine Abstufungen, um etwas auszudrücken, wo es im Englischen nur ein oder zwei Worte gibt, welche diesen Begriff erklären. Letztendlich liegt es an jedem selbst, ob man dieses neue Kauderwelsch (Das Kauderwelsch ist die Bezeichnung für eine verworrene Sprechweise, für ein unverständliches Gemisch aus mehreren Sprachen oder eine unverständliche fremde Sprache) in seine Sprache aufnimmt oder sich der eigenen Ausdrucksweise bewußt wird. Ich jedenfalls möchte niemandem unsere Sprache vorenthalten, nur weil mein Gegenüber sich lieber in kurzen, schnuffeligen (diesen Begriff kann ein Übersetzungsprogram übrigens nicht nachvollziehen) Sätzen ausdrücken möchte. Dass der Duden solche Worte mit in ihre Bücher aufnimmt, zeigt zum Einen wie inflationär solche Begriffe geworden sind und zum Anderen, welchen geringen Stellenwert heute Sprachbücher haben, sodass diese auf jeden Zug aufspringen müssen, um im Zeitgeist zu erscheinen. Und wie eine italienische Trainerlegende einst so treffend formulierte, „Ich habe fertig!“

Ihr, Arno von Rosen


59 Gedanken zu “Alltag August 2019

  1. Der Trend, „fremdsprachige“ Begriffe in die deutsche Sprache zu übernehmen, scheint nicht neu zu sein. Entsprechend dürfte auch die Frage danach, wie damit wohl umzugehen sein, nicht neu sein. Meine Großmutter (Jahrgang 1909) berichtete von einer Zeit, in der die Benutzung fremdsprachlicher Begriffe „verboten“ war. Zu der Zeit gab es dann keine Pullover (mehr), sondern sie musste einen Überschwupper anziehen. Besser? Schlechter? Oder einfach nur anderes?

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    1. Das stimmt natürlich und in allen Epochen hat sich die Sprache verändert. Auch heute gibt es ja in ganz Europa Begriffe die über die Jahrhunderte in unsere Sprache aufgenommen wurden und die heute selbstverständlich benutzt werden. Aich in der deutschen Sprache haben sich Anwendungen geändert. Ein ganz krasses Beispiel ist, „ein Kind zu f*cken, was noch in den 30er Jahren bedeutete zu schlagen, zu züchtigen. Das würde heute niemand mehr so sagen, weil sich der Begriff bedeutungstechnisch stark verschoben hat. Jeder muss auch selbst entscheiden, wie sehr er eine moderne Sprache einfließen lässt, ich bin da eher nicht so modern 😉

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  2. ein interessanter Beitrag, stelle fest, dass die Kinder und Jugendlichen keine Sprache mehr richtig lernen und beherrschen,oder lesen, schreiben können oder sprechen- Für die sprachlich nicht Begabten leichter aber nicht unbedingt besser. .

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    1. Sehe ich ebenfalls so! Wa auffällt ist, dass Kinder am Tisch oder überhaupt in der Öffentlichkeit nicht mehr korregiert werden, wenn diese etwas falsches sagen. Vielleicht ist es den Eltern egal oder sie wissen es selbst nicht besser. Meine Eltern und Großeltern haben mich immer verbessert, wenn ich falsch gesprochen habe, zum Glück!

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  3. Ja, ich finde, das ist ein sehr wichtiges Thema. Anstatt nun die Meinungen darüber auszutauschen, wäre es gut, daß wir uns in unseren Kommentaren schon bemühen, daß zu sagen, was uns bewegt, oder? Doch da ist bereits das Problem: Wer Ernsthaft spricht, wird nicht mehr ernst genommen. Irgendwie die paßt so jemand nicht in die coole, immer jung-Sein-wollende heutige Gesellschaft, zumindest kaum im Internet. Doch die Tendenz geht dahin daß die Aussagen immer flacher werden. In unserer Sprache bringen wir aber uns selbst zum Ausdruck. An u Seren Sprache erkennt man uns am besten. So sollen wir auch nicht steif sein im Sprechen, sondern einfühlsam und lebendig sein in unserer Wortwahl. Ich glaube, die Deutsche Sprache ist auch heutzutage noch wandlungsfähig, und so ist es eigentlich eine Freude, diese Freiheit zu entdecken, die Formung der Sprache – im guten Sinne – mitgestalten zu dürfen. Und Freude geben, Anteil nehmen, Menschlichkeit zeigen, daß ist doch eigentlich, was uns vorschwebt als erstrebenswert im Alltag unseres Lebens. Also eine Möglichkeit, uns darin -und auch andere- ganz neu kennenzulernen und Fähigkeiten zu entwickeln, die bisher brach in uns lagen, weil ungenutzt. Was a der tun und denken, darf nicht unser Maßstab sein. Unseren eigenen Weg innerhalb der Menschheit müssen wir neu entdecken…😊

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  4. Was andere denken und tun, darf nicht unser Maßstab sein. Was die Zeitungen u d andere Medien heute tun, um Meinungen zu beeinflussen, zu gängeln, uns Meinungen aufzudrücken, ist eine schlimme Entwicklung, finde ich. Dieser müssen wir entgegenstehen und neue Zeichen setzen. Was wir jetzt darin versäumen, können wir später nicht mehr nachholen. Es ist wie bei einem Pullover, der zu rebbeln beginnt, und schon laufen die Maschen, und wir können sie kaum noch – mit der Stricknadel- einfangen. Lieber schon am Anfang aufpassen und es gar nicht erst so weit kommen lassen! ( ich gebe zu, daß ich schon lange nicht mehr gestrickt habe…)

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    1. Jeder Mensch sollte sich seine eigene Meinung bilden, über alles, doch die Wahrheit ist, dass dies sehr zeitaufwendig und nicht immer lustig ist, weshalb es einfacher ist Dinge zu übernehmen, die uns zunächst logisch erscheinen, aber bei genauerer Betrachtung stellen sich dort oft Fallstricke auf, und dies ist oft genug genau so gewollt. Jeder entscheidet aber schlußendlich selbst darüber was er/ sie mitträgt, und was eben nicht. Deshalb bin ich ein Querulant und andere eben nicht 😉

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  5. Bei so manchen „Ergüssen“ hier im WWW stellen sich mir sämtliche Haare auf, und meine Zehennägel beginnen, sich schmerzhaft zu kräuseln. Wir haben so eine schöne Sprache, eine der umfangreichsten der Welt, wie du ja in deinem Post erwähnst. Mir graust es, mitanzusehen, wie diese zusehends verhunzt wird. Und ich glaube nicht, dass eine der anderen dominanten Sprachen wie z. B. Italienisch, Spanisch, Französisch, Englisch oder Portugiesisch so starken großenteils negativen Einflüssen ausgesetzt sind wie die unsere… Natürlich besteht die Welt aus Wandel, der sich auch sprachlich niederzuschlagen pflegt – aber das, was mit unserer Sprache seit einigen Jahren geschieht, ist ein großer Schritt zurück, nicht nach vorne…

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    1. Das sehe ich leider ebenso und dies ist ebenfalls ein Grund dafür, dass Bücher lesen nicht mehr zetgemäß ist, denn wir lassen uns selbst nicht mehr die Zeit, für fast nichts, außer schnelle Ablenkungen vom tatsächlichen Leben. In Hörbüchern kann niemand feststellen wie ein Wort geschrieben wird, aber ich selbst muss ja nicht jeden Trend mitmachen, ohne gleich altmodisch zu sein!

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  6. Lieber Arno,
    jetzt bin ich aber von Deinem so treffend formulierten Beitrag total „geflascht“!!! 😉
    Ich gehöre zu denen, die einen Narren gefressen haben an der vielfältigen und wortreichen deutschen Sprache und vieles im Alltag tut mir geradezu körperlich weh, wenn ich es lese oder hören muss, wie sich die Leute „verdenglischen“!
    Mein Beitrag besteht darin, möglichst feines Deutsch zu sprechen und zu schreiben. Mehr kann ich nicht tun. Ich bin Tolerant und lasse jeden, so wir es es vermag. Aber mitmachen brauche ich das nicht.
    Hab einen feinen Wochenstart,
    liebe Grüße
    moni

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  7. Ich glaube, daß viele heutige “ Querdenker“ im Grunde „Geradedenker“ sind. Nur weil die Verhältnisse heutzutage oft so verquer sind, ist das Gerade dazu veruteilt, sich querzustellen. Wir sollten aber stets den e i g e n t l i c h e n Sinn des Schreibenden oder Sprechenden den Worten herausspüren, u d das tun die meisten ja auch. Was aber fehlt, ist der MUT, sich öffentlich zu seiner Überzeugung zu bekennen. Denn da kann es wirklich oft „sehr ungemütlich“ werden. In solchen Situationen bleibt man/frau😊abereits meistens ziemlich allein. Darum sagt ein altes Sprichwort ja auch: „Wahre Freunde erkennen man in der Not.“ Tja, wo aber sin sie dann? Bitte nicht übelnehmen:Ich denke an JESUS, IN GETHSEMANE, IN DER NACHT, BEVOR ER GEKREUZIGT WURDE.

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  8. Danke, du sprichst mir aus dem Herzen. Natürlich unterliegt Sprache einem Wandel, tat es schon immer und ich finde Etymologie total spannend. Bonze kommt aus dem Japanischen, genauso wie Mikado. Hier gibt es Begriffe aus aller Welt. Man denke nur ans schöne Portemonnaie! Aber die heutige Verenglischung von (nicht nur) alltäglichen Ausdrücken macht mich meschugge 😉 Und das schlimmste: ich ertappe mich selbst immer öfter dabei, daß mir englische Wörter über die Lippen bekommen, wo sie nicht wirklich hinpassen. Was mich schafft sind einerseits die Begriffe aus der Werbung (deine Beispiele!!) – wer boostet denn seine Wimpern und was soll das eigentlich sein?? Andererseits gibt es zunehmend „Fachausdrücke“ in Englisch, die eigentlich nur Leute verstehen können, die damit zu tun haben. Als ich in einer Diskussionsrunde im Radio das erste mal vom (oder von?) „gender pay gap“ hörte, bin ich bald lang hingeschlagen. Gender what? Wovon sprechen die? Ich mußte es fast googeln. Jemand, der das Englische nicht so beherrscht, wird hier ahnungslos zurückgelassen. Oder bodybashing oder black box gardening oder oder. Ich muß auch jedes Mal überlegen, wer der Facility manager ist. Wenn man nicht mehr nachvollziehen kann, wovon da gesprochen wird, wo ist denn da die Entwicklung der Sprache? Naja, es gibt noch viele Beispiele, die mir gerade nicht einfallen. Vielleicht auch besser für meinen Blutdruck 😉

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    1. Das sind ganz wunderbare Beispiele für das was ich meine liebe Almuth, und diese Fachbegriffe sind zum Teil völlig unnötig, weil sie nur etwas vorkaukeln soll, was das Ansehen betrifft und sonst keinerlei Nutzen hat, so wie mein Job vor 20 Jahren als ich Area Senior Manager war. Niederlassungsleiter hätte mir auch gereicht, aber es sollte eben nach etwas klingen, dabei musste ich damals selbst nachsehen, was ich da geworden war. Echt absurd!

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      1. Das ist wirklich absurd!!! Mir war gar nicht klar, daß das schon vor 20 Jahren seinen Einzug hielt (oder ich habe es verdrängt 😉 Heute wird natürlich viel international gearbeitet, aber wenn ich mit anderen Menschen zu tun habe, kann ich mich doch so ausdrücken, daß mich alle verstehen. Oder sie müssen verschleiern, daß sie nichts zu sagen haben. Interessant jedenfalls, wie schmerzhaft Sprache sein kann 😉

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  9. So zu sprechen, daß mich alle verstehen, soll auch mein Bestreben sein. Es soll keinesfalls etwas verschleiert werden. So ist das auch eeinProzeß, mit dem wir nie wirklich fertig sind. Ich finde diesen Austausch sehr lebendig und weiterführend. Und es ist offenbar auch der richtige Zeitpunkt dafür gekommen.

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  10. Der Duden hat nach dem Verständnis der jeweiligen Dudenredaktionen sich stets am Sprachgebrauch der „kompetenten Sprecher und Schreiber – Innen“ orientiert. Wenn also Femdwörter aus dem Englischen im öffentlichen Sprachgebrauch auftauchen, nimmt der Duden sie in die Wortliste auf. Dabei ist kaum zu vermeiden, dass Sprachmoden verzeichnet werden. Denn wenn jemand ein Wort nachschlagen will, das in seinen Kreisen verwendet wird, erwartet er, das Wort im Wörterbuch zu finden. Der deutschen Sprache schadet es nicht, wenn sie durch Fremdwörter ergänzt wird. Das geht schon Jahrhunderte so, Wörter aus dem Arabischen, Griechischen, Lateinischen, Französischen und derzeit Englischen wurden und werden übernommen, zum Teil eingedeutscht, dann sprechen wir von Lehnwörtern, ein ganz normaler Vorgang und keinesfalls Grund für Kulturpessimismus.
    Beste Grüße!

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    1. Guten Morgen Jules, es ist natürlich, dass Sprache sich anpasst und ebenfalls modernisiert, doch im Duden werden dann Wörter gesucht die nur zeitlich begrenzt in der Jugendsprache verwendet werden. Bestimmt fallen diese Begriffe später wieder aus dem Duden heraus, aber es gibt ja dann auch Suchmaschinen, die einem Begriffe erklären können, dafür bedürfte es nicht den Duden 😉

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  11. Hallo Arno, ein bisschen wundere ich mich über mich selbst, dass ich im Kommentar den Duden verteidigt habe. Denn ich hatte in der Vergangenheit viel an ihm zu kritisieren, als er noch das Monopol besaß, die amtliche Rechtschreibung zu veröffentlichen. Trotzdem gebe ich zu bedenken, dass ein privatwirtschaftlicher Verlag immer auch unter den Gesichtspunkten der guten Vermarktung entscheiden muss. Ich erinnere mich noch gut, dass der ehemalige Duden-Herausgeber Günther Drosdowski in den frühen 1990-er Jahren durch die Talkshows tingelte uind stolz verkündete, man habe jetzt die Wörter „Tusse“ und „Tussi“ in den Duden aufgenommen. In der 24. Auflage von 2006 sind sie immer noch verzeichnet, obwohl sie langsam ungebräuchlich werden, vermutlich bald „wieder heraufsfallen“, wie du sagst. Ich habe fast alle Duden-Ausgaben seit 1903, und das Durchstöbern hat auch immer zeitgeschichtliche Qualität. In diesem Sinne, lass ihnen doch den Quatsch. Da dokumentiert sich Zeitgeist.

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  12. Lieber Arno,

    Dein Beitrag erinnert mich daran, daß ich endlich einmal das sehr erhellende Sachbuch von Wolf Schneider „Speak German! Warum Deutsch manchmal besser ist“ https://www.rowohlt.de/taschenbuch/wolf-schneider-speak-german.html rezensieren sollte, denn in diesem Buch wird sprachlich sehr fundiert und ausgesprochen humorvoll die seltsame deutsche Untertänigkeit gegenüber insbesondere englischen und amerikanischen Begriffen (Anglo-Manie) analysiert, kritisiert und darüber hinaus wird eine konstruktive LIEBE zur deutschen Sprache – mit schönen Bespielen – kultiviert und angeregt.

    Bei chronischem deutschen Wortschatzschwund empfehle ich auch immer gerne das „Wörterbuch überflüssiger Anglizismen“ aus dem IFB Verlag, das aber leider inzwischen vergriffen ist.

    Zu den offensichtlichen Begriffen und Mischwörtern kommen ja auch noch diverse versteckte Anglizismen, wie beispielsweise dieses unsägliche „Sinn machen“, welches eine gänzlich unsinnige Ableitung von „making sense“ ist. Im Deutschen hat etwas Sinn, ergibt Sinn, ist sinnvoll oder sinnlos, sinnig oder unsinnig usw …

    Meine australische Brieffreundin, die über recht passable Deutschkenntnisse verfügt, fand, als sie mich einmal in Deutschland besuchte, die omnipräsenten Anglizismen albern, zumal viele auch noch total danebenliegen. Beispielsweise lachte sie sich weg über „Sleep Shirt“, denn im Englischen heißt ein Nachthemd „nightgown“ oder „nightshirt“.

    Entzückt war sie indes über den deutschen Begriff „Laub“, weil es , wie sie mir sagte, im Englischen nur den Begriff Blatt/Blätter also leafe/leaves gäbe, aber kein weiteres botanisches Blattwerkwort.

    Ich pflege ja schon seit Jahrzehnten eine chronisch-akute Anglizismen-Allergie und benutze mündlich und schriftlich nur äußerst selten welche. In meinem Freundeskreis fällt es regelrecht auf, wenn ich ausnahmsweise einmal – meist ironisch – einen Anglizismus anwende. Und ich darf noch erwähnen, daß ich einen hundert prozentigen, familiären Migrationshintergrund (England/Türkei) habe und somit über den Verdacht reaktionärer „Deutschtümelei“ erhaben bin.

    Nachtschwärmerische Grüße von
    Ulrike

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    1. Guten Morgen liebe Ulrike und vielen Dank für die Links und deine wissenswerte Ausführung zu meinem Beitrag. Ja, irgendwie ist die Leidenschaft zur deutschen Sprachkultur verloren gegangen. Vielleicht ist es nicht mehr lässig genug auf die eigenen Worte zu achten. Ob es dann so sein muss, wie in unserer Kindheit, lass ich mal außen vor, denn ich musste nach verlassen meines Elternhauses lernen, mich nicht ständig mit lateinischen Begriffen zu verständigen, weil mich niemand verstanden hat. Jetzt kann ich meine Sprache bei Bedarf anpassen, was manchmal die Situation erfordert, um ins Gespräch zu kommen oder sogar zu deeskalieren. Sprache ist für mich eben ein großes wunderbares Feld und viel besser zu sprechen, als zu schreiben. Ich wünsche dir einen wunderbaren Tag!

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      1. Guten Morgen, lieber Arno,
        es stimmt, daß die Leidenschaft für eine kultivierte deutsche Sprachkultur verloren gegangen ist. Das steht – glaube ich – tiefenpsychologisch in Zusammenhang mit dem kollektiven deutschen schlechten Gewissen wegen der Grausamkeiten des Dritten Reiches.
        Hinzu kommen Werbe- und Wirtschaftssprache und Massenmedien, die eine millionenfache Verbreitung haben und ihre Sprachverhunzungen reichweitenstark unter die Leute bringen.
        Auch die Verlage sind dabei leider übereifrige Mittäter, da viel zu oft besonders im Jugendbuchbereich bei Übersetzungen aus dem englischen Sprachraum der Titel unübersetzt übernommen wird und die Kosenamen für familiäre Bezugspersonen auch nicht mehr angemessen ins Deutsche übertragen werden, so daß es vor Mums, Dads, Daddys, Mummys, Grandmas und Grandpas nur so wimmelt. Wobei ich nicht beurteilen kann, ob dies den Übersetzern vom Verlag vorgegeben wird oder ob die Hirne der Übersetzer schon jahrelang dermaßen in der amerikanischen Serienfilmsoße mariniert wurden, daß es ihnen schon garnicht mehr auffällt, daß sie Begriffe wie Mutter, Vater, Mama, Papa, Oma, Opa, Großmutter und Großvater & Co offensichtlich verlernt haben.

        Ganz zu schweigen von kompletter Kleinschreibung von Autorennamen und Titeln auf Buchdeckeln und Schutzumschlägen, was eine chronische Graphikdesigner-Neurose zu sein scheint.

        Sprache ist ein Schöpfungswerkzeug, denn wir bewirken, was wir sagen und schreiben!!

        Es ist richtig und zeugt von Sozialkompetenz, seine Sprache bei Bedarf anzupassen. Als Buchhändlerin habe ich je nach dem heraushörbaren Sprachniveau des Kunden meine Wortwahl und die Komplexität meines Satzbaus variiert. Verständlichkeit erleichtert einfach den zwischenmenschlichen Austausch und jeder kann seine Würde bewahren.
        Ich habe mir als Schülerin mit Begeisterung lange Listen mit Fremdwörtern gemacht und ganze Sätze damit formuliert, aus reiner Freude an der Wörtervielfalt und am Wortklang. Doch ich muß mich damit keineswegs gegenüber jemandem mit bescheidenerem Wortschatz hervortun.

        Mit verbindlicher Empfehlung 🙂
        Ulrike

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  13. Welch großartiger Beitrag zum Thema „Deutsche Sprache“! Ich bin total begeistert! Und das bei 1oo prozentigem Migrationshintergrund! Ich bin total überrascht und begeistert und sage einfach mal stellvertretend für uns Deutsche: “ Hut ab!“bzw. : große Anerkennung! Da stimmt einfach alles: Der Stil, die Sachkenntnis, die Vermittlung….Daß kann man ja mal untersuchen und wird noch mehr entdecken! Ich freue mich!wir können uns ein Beispiel daran nehmen! ♡♡♧♧☆☆⊙⊙

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      1. Lieber Arno,
        vielen Dank für Dein großzügiges Lob.
        Da Du meine Sprache nur vom lesen her kennst, wärst Du wahrscheinlich sehr amüsiert über meinen rheinisch-bergisch-solingerischen Sprachklang. 🎶 ⚔ 🎶
        Hochdeutsch spreche ich also nur in der Schriftform.

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  14. An anderer Stelle las ich gerade einen wunderbaren Satz:
    „Sprache ist ein Schöpfungswerkzeug,
    Mit dem wir newirken, was wir sagen oder schreiben.“
    Ich bin ganz begeistert von dieser Wahrheit und Weisheit, die der Schreiberin wohl „eingegeben “ wurde.
    ☆ bewirken

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  15. Das kann man/frau☺ auch immer wieder anders und neu zu förmulieren versuchen. Sie ist unerschöpflich, diese QUELLE DER WEISHEIT. Doch weit entfernt von ihr ziehen wir unsere Kreise, suchen immer neue Zugänge zu IHR.
    Daß ist a er nie ermüdend oder langweilig, ganz im Gegenteil:wunderbar belebend😊und erfrischend! ( Der Laptop allerdings zeigt mir einen Fehler an, denn das Wort „belebend“ ist ihm fremd, jedenfalls dem Korrektur-Programm.
    Wo sind wir inzwischen gelangen det, daß das Wort „belebend“nicht mehr existiert!?)

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  16. Lieber Arno, hier in Kanada gibt es auch einige deutsche Wörter wie Kindergarden (nur mit d statt t) oder Sauerkraut . Es ist hier im französischen Teil von Kanada aber wie in Deutschland. Es werden viele englische Wörter in die französische eingebaut. Z.B statt : bonne fin de semaine (schönes Wochenende) wird oft gesagt: bon week-end.
    Dann mal ein Schönes Wochenende

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    1. In manchen Sprachen gibt es eben keine entsprechenden Worte für manche Dinge, wie z.B. in der Türkey, dort sagt man einfach Bilanz, weil so etwas zuvor nicht existiert hat. Da gibt es noch ganz viele Beispiele, die ich sogar sehr witzig finde! Beste Grüße ins herbstliche Kanada 🙂

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    1. Guten Morgen! Ja, das stimmt ebenfalls und in London wird anders gesprochen als in Oxfort oder gar Dublin, doch außer dem tiefsten Irland (da wird eine Art Gälisch gesprochen) verstehe ich fast alles, außer wenn ich mit den USA telefoniere, denn die beißen den Sätzen oft den Hintern ab 😀

      Liken

      1. Der Hintern ist dann immer ein zu denkender Hintern. 🙂
        In manchen Regionen Deutschlands wird auch hinten was weggelassen. Mich ärgerte immer, daß man im Aschaffenburger Raum meinen Namen ohne r hinten aussprach.

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