Moderne Zeiten …

2389_3_1328628112So heißt ebenfalls der gleichnamige Film von und mit Charles Chaplin von 1936. Ich sah ihn noch als Kind auf Filmrolle via Heimprojektor. Heute sieht man so etwas im stehen an der Bushaltestelle auf seinem Smartphone, falls man so etwas heute überhaupt noch sieht. In den letzten 82 Jahren hat sich die Technik unglaublich rasant weiter entwickelt und so stehen heute nicht mehr Hundertschaften an Fließbändern und machen sechs Tage die Woche und 12 Stunden am Tag die selben Handbewegungen. Unsere Arbeit hat sich drastisch reduziert und doch befindet sich die Gesellschaft am Rande ihrer geistigen, seelischen und körperlichen Leistungsfähigkeit. Warum dies so ist, wo wir als Bürger hindriften und wie alles besser werden könnte, verrate ich in diesem Beitrag. Nein, der alte Rosen ist nicht verrückt geworden und er hat ebenfalls nicht die Bodenhaftung verloren. Immerhin habe ich mich über ein Vierteljahrhundert auf dem wirtschaftlichen Weltmarkt bewegt, was gute Kenntnisse der Volkswirtschaft voraussetzt und ich bin seit über 10 Jahren selbstständig, wodurch ich kalkulatorisch geprägt wurde. Mit einem Wort. Ich bin suspekt. Alleine schon deshalb, weil man mir nix mehr aufschwatzen kann und ich so ziemlich jeden Marketingtrick kenne, um jemanden etwas anzudrehen, von dem derjenige nicht mal wußte das er es haben will, geschweige denn vorher jemals davon gehört hatte.

Marktregeln

Der Markt ist das Angebot aller Güter und Dienstleistungen weltweit. Politiker nennen dies gerne Globalisierung, aber schon die alten Phönizier betrieben Welthandel. Es ist also ein unheimlich alter Hut, welcher gerne aus der Mottenkiste geholt wird, wenn die Politik nicht erklären will, warum arbeitende Menschen auf die Straße gesetzt werden. Ausnahme bildet da nur der Wahlkampf, weil es gut klingt sich auf die Seite der Arbeiter und Angestellten zu stellen und damit meine ich keine spezielle Partei oder ein bestimmtes Land, denn alle Staatsformen funktionieren im Prinzip nach denselben Regeln, ob nun Diktatoren oder gewählte Vertreter des Volkes, denn die Wirtschaft alleine sichert die Goldstücke im eigenen Geldbeutel. Kein Politikergehalt ist so auskömmlich, dass sich damit innerhalb weniger Jahrzehnte (wenn überhaupt so lange) Millionen anhäufen lassen. Da bilden weder die Kanzler Kohl, Schröder oder ehemalige Minister wie Strauss & Konsorten eine Ausnahme. Doch es geht mir nicht um Politikerschelte, sondern um das Prinzip der sozialen Verschleppung aller bisherigen gesellschaftlichen Erungenschaften. Einst mit Blut und Gewerkschaften erkämpft, werden diese heute sogar bei jedem noch so kleinen Streik von den Medien wahlwirksam aus(ab)geschlachtet und meinungstechnisch aufbereitet. Da sind Gewerkschaftsführer schnell unbequeme Selbstdarsteller, welche aus Narzismus völlig überzogene Forderungen stellen und Politiker erdreisten sich in die Tarifautonomie einzugreifen, indem neue Gesetze erlassen werden, um zumindest kleine Gewerkschaften handlungsunfähig zu machen. Der Zweck ist natürlich klar. Man unterstützt die Wirtschaft und nicht die Lohnsteuerzahler, denn die MÜSSEN zahlen, die anderen können zahlen oder auch nicht, je nach Steuersparmodel. Damit ist der Markt klar aufgeteilt, in Habenichtse (wir) und Kapital (alle anderen, aber nur sehr wenige).

Moderne ZeitenLebensverbesserungen

Vor jeder Wahl werden nicht nur Versprechungen gemacht und zwar von jeder Partei, sondern alle gemeinsam beschließen nach der Wahl dafür kein Geld zu haben, weil … ja, warum eigentlich? Da wird ein Renteneintrittsalter wieder auf 63 Jahre gesenkt, dafür mit einem garantierten Rentenniveau von 48 % und die Beiträge dafür sollen in den nächsten Jahren nur um wenige Punkte steigen (hier verzichtet der gemeine Politrechner auf Prozentrechnung, denn 2 Prozentpunkte klingt nicht viel, aber eine Erhöhung um 12 % lässt uns mit den Ohren wackeln), aber so ist die Ankündigung für die nächsten Jahre. Dazu kommt, dass unser Rentenniveau anfang der 90er noch bei rund 60 % vom letzten Nettolohn lag, nur das da noch nicht die Altersbezüge zusätzlich versteuert werden mussten. In anderen europäischen Staaten liegt das Niveau noch bei 67 %. Wir werden also nach Strich und Faden verarscht und es wird uns noch als Goodie (= kostenloses Geschenk) verkauft und als großer Wurf für die Bürger. So verhält es sich mit allen Heilsversprechen, ob Steuersenkung, Investitionen in die Infrastruktur, besseres Bildungsangebot usw. Die Bundesregierung kommt kaum den europäischen Vorgaben nach, von Verbesserung kann da keine Rede mehr sein.

Wer soll das alles bezahlen?

Es wird ja gerne die Frage der Gegenfinanzierung gestellt, vor allem vom politischen Gegner, egal ob in Europa oder sonst wo, denn Geld ist ein knappes Gut, glauben wir jedenfalls meistens. Das ist aber falsch, denn Geld gibt es in der Menge in der Waren (dazu gehört natürlich ebenfalls Gold etc.) vorhanden sind. Gefährlich wird es erst, wenn die Waren überbewertet werden und als Spekulation auf die Zukunft dienen (dann droht Inflation durch massive Geldentwertung und die Kaufkraft jedes Einzelnen sinkt). Deshalb ist der Rat der Wirtschaftsweisen eigentlich nichts anderes als ein Zirkel von Glaskugellesern und das meine ich im Ernst, denn wenn jemand den Sachverstand besäße alle Waren und Dienstleistungen der Welt im Voraus zu errechnen, wäre er oder sie bereits Multimilliardär. Es sind grobe Schätzungen die fast jedes Jahr daneben liegen oder in der Gesamtprognose durch nicht vorhersehbare Effekte erzielt werden, wie zum Beispiel ein Durchbruch in der Wissenschaft, Erschließung neuer Energien oder Entwicklung neuer Technologien, also etwas, dass niemand tatsächlich voraussagen kann. Das Geld selber wäre übrigens überhaupt kein Problem, egal ob für Bildung, Wissenschaft, Umwelt, Digitalisierung oder ähnlich teure Projekte, denn wir fragen immer wo neues Geld herkommt und stellen nie die Frage wie das bereits bezahlte Geld verwendet wurde oder wird. Und das kommt so.

Im Irak finden zwei Kriege statt. Der wahre Grund liegt in der Sicherung von Energiereserven (gerne genannt die „Achse des Bösen“) und darauf folgt der IS, weil man ja bekommen hat was man wollte und außerdem eine neue Technologie erfunden hat (Öl aus Ölsand zu gewinnen, was vorher nicht möglich war. da es nicht kostendeckend praktiziert werden konnte). Deutschland beteiligt sich nicht an jedem Konflikt, aber liefert Dienstleistungen und natürlich haufenweise Geld, damit die Natopartner die Waffenindustrie bezahlen können. Dies wird aus Steuermitteln bezahlt, woher auch sonst. Jetzt ist das Land (Irak oder ein Land Ihrer Wahl) im Arsch und muss neu aufgebaut werden, damit die Flüchtlinge nicht nach Europa kommen (also auch nach Deutschland). Die erste Aufbauhilfe beträgt schlappe 80 Milliarden Euro von einer bestimmten Staatengemeinschaft inkl. Deutschland. Klar, wieder aus Steuergeldern und bezahlt an internationale Konzerne (gerne auch aus Deutschland, wie Siemens usw.). Die Gelder zum Krieg und nach dem Krieg sollten zumindest dem Steueranteil Deutschlands zugute kommen oder? Falsch, denn jeder Konzern bestimmt selbst, wo er Steuern zahlt und zwar ganz legal. So zahlen wir zweimal Milliardenbeträge und haben nichts davon, nicht mal feste Arbeitsplätze. Dumm gelaufen!

poster-chaplin-moderne-zeiten-1936-313400Was sollten wir machen?

Unser Bildungssystem funktioniert im Prinzip noch wie vor 100 Jahren, da ändern ein paar PCs und Beamer auch nichts dran. Die Bildung/ Ausbildung in Deutschland ist mit die rückständigste in Europa und entspricht schon seit Generationen nicht mehr dem Land der Erfinder, Dichter und Denker. Dafür braucht es keine Pisastudie und auch keine statistische Erhebung der Bertelsmann-Stiftung über Kinderarmut aus bildungsfernen Elternhäuser (= Hartz IV & Co.). Chancengleichheit war mal ein Kernthema der Politik der 70er Jahre und wurde unter Kohl wieder abgeschafft, durch Nichtstun. Wenn ich sehe, wie offen der Geist von Kindern zu Beginn der Schulzeit ist und wie wenig dort angeboten wird, wieviel Unterricht ausfällt und wie wenig nachschulische Optionen angeboten werden (Hausaufgabenhilfe, Interessensangebote, Verpflegung), muss sich niemand wundern, dass dort keine großen Gruppen von jungen Genies heranwachsen, denn nur die Kinder der Eltern, welche das alles privat organisieren und vor allem bezahlen können, haben eine gute Chance auf dem späteren Arbeitsmarkt. Natürlich kann man einwerfen, dass wir so viele Studenten wie nie haben. Stimmt, aber warum? Weil das System dazu einlädt? Nein, es ist die schiere Angst mit einem normalen Ausbildungsberuf nicht durch ein ganzen Arbeitsleben zu kommen, mal abgesehen von den ständig wechselnden Anforderungen der Arbeitswelt. Durch die Digitalisierung werden hunderttausende Arbeitsplätze wegfallen (in den nächsten 10 Jahren), welche durch Algorhytmen übernommen werden, ob Versicherungen, Banken, Verwaltung etc. Der tatsächliche händische Anteil an diesem Jobs wird an den Verbraucher/ Nutzer umgeleitet, wie heute schon beim Onlinebanking, Direktversicherungen oder Online-Dienstleistungen der öffentlichen Hand.

Zur Abschaffung dieser Missstände müssen wir die Grundschulzeit bis zur 7. Klasse ausweiten, da sich nicht alle Kinder gleichschnell entwickeln. Alle Schulen müssen Ganztagsschulen sein (wählbar nach Bedarf) und Schulmittelfreiheit muss tatsächlich existieren und nicht nur auf dem Papier stehen. Klassen müssen kleiner als 22 Schüler sein, mit moderner Technik ausgestattet werden, die dem jeweiligen Stand der Wirtschaft entspricht (könnte auch durch Sponsoren finanziert werden), mehr Lehrpersonal, welches selber andere Studienvoraussetzungen benötigt, wie Probezeiten gleich am Anfang des Studiums, denn viele Lehrer kommen mit Kindern und Jugendlichen nicht zurecht, weil ihnen eine gute pädagogische Ausbildung fehlt. Neusteuerung der Lernprozesse bei Schülern, um Alltagsaufgaben zu verstehen und umzusetzen, ob Behördengänge, Versicherungswesen, kaufmännische Angelegenheiten, Vertragswesen und Wirtschaftsrechnen, denn was nutzt schon der Satz des Pythagoras, wenn man online abgezockt wird!

Arbeitsplätze müssen wieder sicher und planbar sein, denn die öffentliche Hand (auch bei Lehrkräften) macht von der Unsitte der befristeten Zeitverträge regen gebrauch und verdrängt dabei völlig, dass somit nicht nur die Kreditwürdigkeit des Einzelnen nicht existent ist, sondern ebenfalls keine private Vorsorge oder Familienplanung möglich ist, was wiederum ins soziale Netz einschneidet, eben nur zu einem politisch nach hinten verlegten Zeitpunkt. Dafür müssten solche Verträge für Unternehmen viel teurer sein, als Festverträge und die Arbeitnehmer müssten etwa 20% Prozent mehr verdienen, als ihre jeweiligen bestbezahlten Kollegen. Firmen wie Siemens & Co. müssen verpflichtet werden Sozialabgaben für ohne Not entlassene Mitarbeiter weiter zu zahlen, bis entweder ein neuer Arbeitsplatz gefunden wurde, welcher höchstens 15% unter dem Verdienst des letzten Arbeitsverhältnisses liegt oder bis der Rentenanspruch eintritt. So wird wirksam vor Entlassungen geschützt, die nur dem Zweck der höheren Rendite dient und nicht dem fortbestand der Unternehmung.

Das veraltete Rentensystem muss auf neutrale Füße gestellt werden, nicht nur, um den dauernd geschürten Generationenkonflikt zu beseitigen, sondern weil wir in Zukunft die ganzen Arbeitskräfte so nicht mehr benötigen, wodurch die vielbeklagte niedrige Geburtenrate eher ein Segen wäre, als eine Last. Die Beiträge nur durch Sozialabgaben der Arbeitnehmer zu finanzieren ist extrem Kurzsichtig und funktioniert jetzt schon nicht mehr. Dafür muss es eine breitere Aufstellung durch Sozialabgaben, Quadratmeterzins (je mehr Quadratmeter vorhanden sind, ob privat oder geschäftlich, desto höher die monatliche Abgabe. Wohnungen im Sozialbereich und/ oder Niedrigmietzins sind ausgeschlossen, ebenso, wie eine bestimmte Anzahl der m² pro Person) und einer Umsatzabgabe auf Luxusgüter (alles mit 19% MwSt.). Dafür müssten diese Steuersätze endlich angepasst werden, denn Babynahrung als Luxus zu deklarieren ist ein Hohn für Familien.

Der Verkehrsinfarkt in Großstädten regelt sich nicht von alleine und wird ebenfalls nicht besser, nur weil öffentliche Verkehrsmittel neuerdings kostenfrei werden sollen, denn das sind sie natürlich nicht, sondern sie werden dann komplett mit Steuermitteln finanziert. Anreize wären eher Fahrgemeinschaften in Verbindung mit Abgaben bei allen Einzelfahrern (gibt es schon in anderen europäischen Ländern). Dafür existieren schon genug Online-Plattformen und es wäre schnell umsetzbar. Busse, U-Bahnen & Co. könnten die Kapazitäten gar nicht so schnell bereitstellen, wie es erforderlich wäre, selbst nicht im kleinen Marburg.

Fazit

Dieses sind nur einige wenige Punkte und gute Lösungsmöglichkeiten gegen Jobverluste, Altersarmut, Bildungsnotstand, soziale Ungerechtigkeit, Mietwucher und Umweltsünden ohne den Geldhahn weiter aufdrehen zu müssen und dabei ist eine reduzierte Bundeswehr (wer benötigt denn Soldaten und Panzer in großer Zahl, wenn ein Angreifer lediglich unser Stromnetz abschalten muss?), Steuervereinfachung und damit die Beendigung von Steuersparmodellen, sowie die komplette Reduzierung der Subventionen für jede Lobbyistengruppe noch nicht einmal in den Zahlen enthalten. Wenn Geld also nicht das Problem ist, liegt es vermutlich da, wo es immer liegt. Bei den Interessen einiger weniger, denen wir als Volk egal sind, solange es ihnen nicht in die Quere kommt und eben aus diesem Grund ist es zumindest in Berlin jedem wurscht wer mit wieviel Prozent regiert, hauptsache es bleibt alles so wie es ist und immer war!

Es grüßt Sie Ihr persönlicher Think-Tank Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist und bla bla bla (also nicht wirklich wichtig). Bleiben Sie nachdenklich, aufmerksam und lassen Sie sich nicht von tolldreisten Sprüchen beeindrucken, vor allem nicht, wenn diese für die Lautsprecher der Nation geschrieben wurden und nicht selbst erdacht sind.

Hinweis: Schutzrechte für Fotografien sind 50 Jahre nach erscheinen abgelaufen, falls jemand rebloggen möchte.

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40 Gedanken zu “Moderne Zeiten …

  1. „Für die Lautsprecher der Nation geschrieben“, lieber Arno. Na, zu dieser Formulierung gratuliere ich Dir gerne, weißt Du ja, dass mir das geschliffene Wort schon mal einen Zungenschnalzer abringen kann.
    Der Inhalt an sich ist indes eine verzwickte Sache, denn bei Simplifizierungen à la Stromabschaltung ist mir immer nicht ganz wohl zumute; mir fehlt da die Tiefe, die solch ernsthafte Themen erfordern. Bitte versteh mich nicht falsch, denn ich finde es gut, dass Du Dich der kritischen Themen annimmst, aber an manchen Stellen fällt mir es schwer zwischen Ernsthafttigkeit und etwas Sandkasten-Polemik sortenrein zu unterscheiden. Liebe Grüße Dein Paul

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    1. Lieber Paul, es ist ganz schön schwer, auf 2-3 DIN A4 Seiten das Land zu reformieren, wo schon Sondierungspapiere 150 Seiten benötigen, um fast nichts zu sagen. Polemik war nicht meine Absicht und abschaffen will ich eine Bundeswehr nicht, falls dies dein Gedanke war, aber sie muss ganz anders ausgebildet, ausgerüstet und stark kompremiert werden, als echte Einsatztruppe und nicht als bessere Statisten in Konflikten anderer Nationen. Nur irgendwann werden Texte zu lang und dann werden sie nicht mehr gelesen 😉

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  2. In der Einfachheit liegen die Lösungen und ich finde Deine Vorschläge genau richtig! Was ein verstricktes Konstrukt bringt, können wir in so vielen Themenbereichen sehen, nämlich nur gewollte Undurchsichtigkeit!

    Mit den kleinen Leckerli, die uns die Politik gönnt, ist nur eines gewollt:
    Diplomatie besteht darin, den Hund so lange zu streicheln, bis der Maulkorb fertig ist. Zitat von Friedrich Nitzsche

    Schick Deine Vorschläge doch mal an’s Kanzleramt, da können sie noch was lernen! Ach nein, die machen ja alles richtig und sehen keinen Handlungsbedarf.

    Lieber Arno, Dein Beitrag finde ich sehr gut, zu gut für die planlose Politik!

    Herzliche Grüße Babsi

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  3. Ein spannender Beitrag!

    Auch eine Erscheinung der modernen Zeiten: Weiterbildung als Milliardengeschäft (mit dahinterstehenden politisch forcierten Konzepten).

    Wer sich die Zertifikate, Diplome, post gradualen Bildungen, Auslandstudien nicht leisten kann, hat von vornherein schlechte Aussichten. Es sei denn, man kennt da jemanden, der nachhelfen kann 😉

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  4. Hallo, vielen Dank für diesen gewiss sehr aufwendigen Artikel – es ist sehr spannend zu lesen für mich. Ich würde Paul Stein beipflichten, doch eine gewisse Oberflächlichkeit ist unumgehbar, wenn man seine Schreibse kurz genug halten möchte, dass sie blogtauglich ist.
    Im Bereich Schule/Bildung (der, von dem ich etwas verstehe) würde ich jedoch widersprechen – wir brauchen keine 7 Jahre Grundschule, wir brauchen individuellere Förderung (was du mit den kleineren Klassen ja auch ansprichst). Die Frage ist, ob Schule überhaupt in Klassen eingeteilt werden sollte (?) und ob diese am Alter festgemacht werden darf (Ich stimme für Nein). Wenn ich mir eine Schule vorstelle, dann werden Kinder nicht nach Alter sortiert, sondern sortieren sich selbst, nach Interessen. Offene Lern-, Spiel- und Werkräume, phänomenologisches Lernen (durch Beobachtung z.Bsp. in der Natur oder im Labor) sind Schlüsselwörter. Ein dreigliedriges Schulsystem, Stufen, Noten…
    Es ist alles Standartifizierung bei gleichzeitiger Individualisierung, oder – wir werden gleich-, nämlich unsere Leistung messbar gemacht und lernen dabei, dass wir für uns selbst stehen müssen, als Spezialisten. Ich statt wir. Ich stehe am Fließband, wir produzieren etwas, ein anderer verkauft es, noch ein anderer macht Werbung und der letzte sitzt am Schreibtisch und streicht das Geld ein, mit dem er uns unmaßstäblich bezahlt – MEHRWERT ist das Stichwort. Wir unterwerfen uns alle unter dieses Streben nach Geld.
    Ich beschäftige mich mit ein paar Mitstudenten mit dem Thema polytechnische Bildung – die Idee baut konkret auf dem marxistischen Konzept auf, dass Arbeiter untereinander Aufgaben tauschen können – konkret für ein Konzept von Schule bedeutet dies, nicht mehr (individualisierend) Biologie, Chemie, Physik, Mathematik zu unterrichten, sondern Naturwissenschaften in ihren Zusammenhängen – dasselbe für Politik, Sozialwissenschaft, Philosophie, Geschichte und Wirtschaft. Am Ende soll ein im Humboldtschen Sinne gebildeter Mensch von der Schule gehen – ein in seinen Potentialen und Interessen (relativ) gebildeter Mensch. Und Bildung bedeutet mehr als Wissen, es heißt Hinterfragen und dies mit einem Bezug zur Allgemeinheit – die letzten beiden Dinge werden uns mit jedem Test, mit jeder Note und jedem „Thema verfehlt“ ausgetrieben.

    Im Grunde genommen zeigst du mit diesem Beitrag, in jedem Bereich ein gewisses Repertoire zu haben – das ist das Ziel.
    Und wenn man Probleme dann lösen will, muss man in Teams arbeiten, interdisziplinär, kritisch und emanzipatorisch – denn jeder ist dann auch Fachexperte/in, doch eben nicht mehr Fachidiot.
    Die letzten Adverben in das Schulsystem zu bringen, ist möglich. Es gibt freie (und damit private) Schulen, die das dürfen. Die Kinder sitzen teils in Klassen, teils wohnen sie je nach ihren Schwerpunkten (Bsp. Odenwaldschule), entscheiden demokratisch (Bsp. Comenius-Schule hier in Darmstadt) und vieles mehr. Wir müssen diese Konzepte unter nicht-wirtschaftlichen Aspekten kritisch bewerten. Vielleicht sollten wir diese Schulen verstaatlichen und den staatlichen Schulen mehr Geld und damit Raum geben, sich weiterzuentwickeln. Wir kommen ohne Frage nicht umher, Lehrer besser und anders asuzubilden und ihnen mehr Geld zu geben. Denn die Zukunft liegt nicht in privaten Sparanlagen, sie liegt in unseren Kindern. Humanität statt Mehrwehrt.
    Liebe Grüße und einen schönen Abend!

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    1. Hallo Kai, da hast du die Konzepte ja gleich angeführt, also vielen Dank dafür. Ich meinte auch nicht 7 Jahre Grundschule, sondern erst danach eine Aufteilung nach Interessen und Können, so wie du es schreibst. Bisher wird nach der vierten Klasse entschieden welche Zukunftschancen ein Kind haben darf und dies finde ich grundsätzlich falsch, also sind wir uns ja grundsätzlich einig.

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      1. Jawohl!
        Der Punkt, zu dem ich in meinen Reflexionen zur Gesellschaft und der Veränderung bestehender Verhältnisse komme, ist immer wieder, dass das Feld viel zu weit ist, als dass eine Person es alleine erfassen und Maßnahmen bestimmen könnte – und sollte. Schon allein deshalb dürfren wir uns der Interdisziplinarität nicht verwehren.

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  5. Lieber Arno, warum hast Du Fotos von Charlie Chaplin gewaehlt? Der ist fuer mich einer der wichtigsten und interesstantesten Personen in der Filmgeschichte. Aus der Armut in die finanzielle Unabhaengikeit, die es ihm moeglich machte Filme zu produzieren, die mit viel Ironie politisch und sozial Einfluss auf viele Menschen hatte. War witziger Weise eins meiner Vorbilder und auch meines Mannes.
    Die Zunkunft besteht aus Robotern: Jeder kann einen oder mehrere Roboter erwerben, der/die einer Arbeit nachgehen. Die Menschen koennen in einem Bildungssystem Punkte erwerben in einer bestimmten Zeit, die sie selber waehlen. Roboter gibt es in unterschiedlichen Qualifikationen. Ein Punktesystem ermeoglicht den Erwerb eines Roboters, der fuer Dich arbeiten. Das Geld wandert auf Dein Konto und Du kannst Deinen Hobbies nachgehen und musst nur ein bisschen Geld zur Seite legen fuer evtl. Reparaturen am Roboter. Je mehr Punkte – desto qualifizierter der Roboter. Das Leistungsprinzip bleibt!
    Winterlichen Gruss aus Wendake , Sabine

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    1. Liebe Sabine, Charles Chaplin hat für mich mit diesem Film den Kern der Sache getroffen und der Kluft zwischen Maschinen und Menschen, die sich bisher eigentlich weiter voneinander entfernt haben, als den Menschen wirklich nützlich zu sein. Eine Welt, wo Roboter für mich arbeiten, möchte ich mir gar nicht vorstellen, auch wenn sich das müssig anhört, während ich an einem Computer sitze, doch diesem zwinge ich meine Geschwindigkeit auf und nicht umgekehrt. Beste Grüße nach Wendake aus dem sonnig-winterlichen Marburg 🙂

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  6. Lieber Arno! Du solltest in die Politik gehen! Obwohl auch ich einige Einblicke in die Wirtschaft gewinnen durfte, maße ich mir nicht an, über Deine Vorschläge zu richten, aber sie hören sich sehr gut an! Nur über das Schulwesen kann ich etwas sagen. Und ich denke, da sitze ich aktuell am Brennpunkt. Meine Mutter arbeitet seit ich sie kenne als Lehrerin, kommt aber jetzt in Rente, mein Vater war bis vor kurzem Schulrektor und meine Kinder, Freunde und Patienten geben mir tiefe Einblicke in diese Materie.
    ,,Chancengleichheit heißt, ungleiche Begabungen zeigen zu können!“ Nicht jeder Mensch hat die Weisheit mit Löffeln gegessen. Nicht jedes Kind kann Abitur machen! Und das ist auch gar nicht nötig, denn jeder Mensch ist da am besten aufgehoben, wo er sich wohl fühlt und weder unter- noch überfordert wird.
    Nichts desto trotz ist es wichtig, jedes Kind seinen Bedürfnissen entsprechend zu fördern. Und da ist nicht 7 Jahre lang ein Niveau möglich. Während es für die einen dringlich ist, richtig deutsch zu lernen, die Grundrechenarten zu beherrschen und nicht zu viele Rechtschreibfehler zu machen (kann sich beim Bloggen negativ auswirken ;-)) , ist es wichtig, bei anderen ihre individuellen Fähigkeiten zu fördern, denn die Gesellschaft braucht dringend begabte Menschen! Das ist in unserem Bildungssystem gar nicht einmal so schlecht gelöst! Und auch Ganztagesschulen gibt es eigentlich genug! Auch gibt es ja kaum noch Real- und Hauptschulen, sondern Gesamtschulen (die auch Kurse mit verschiedenen Leistungsstufen haben), die später immer noch ermöglichen, zum Abitur zu kommen.
    Das Problem sind die großen Klassen und schlicht und ergreifend die übervollen Lehrpläne, die kaum mehr in Gänze erfüllt werden können! Altmodisches Lehrmaterial und verkrustete Strukturen müssten aufgeweicht werden. Es ist für ein Kind in meinen Augen ein Unding, jeden Tag acht Stunden auf den vier Buchstaben sitzen zu müssen und dann abends auch noch zu lernen. Da ist kaum Zeit für Hobbys, geschweige denn für einen körperlichen Ausgleich! Alles ist reglementiert und es gibt kaum Zeit und Ansporn, Fantasie zu entwickeln, eigene Ideen und ein eigenes soziales Netz zu leben (wobei das im modernen Sinn ja wieder möglich ist…) . Was würde ich also vorschlagen? Ich würde Lehrpläne erstellen, die auf das Wesentliche reduziert sind und die viel mehr Praktisches enthalten. Aktuelle Politik wäre ein wichtiges Thema. Aber auch ein Fach, dass ich ,,Gemeinschaft“ nennen würde. Darin ginge es um das Verhalten in unterschiedlichen Kulturen, um Benimmregeln, um den Aufbau unseres Lebens. Was ist eine Sozialversicherung? Wie ist das Gesundheitswesen organisiert? So etwas bekommen unsere Kinder nicht beigebracht. Und ein Fach müsste: ,,Fantasie“ heißen. Mein Sohn hat nicht einmal mehr ,,Kunst“! Sport sollte weg von der Reduktion auf Leistungssportarten gehen und mehr fröhlichen Bewegungen und Spiele einbauen, die allen Spaß machen und die Freude am Körper lehren. Eng damit verknüpft müsste der Unterricht der Körperfunktionen sein, damit der Mensch lernt, seinen Körper wie ein kostbares Gut zu betrachten und zu behandeln… Ein schwieriges Thema! Also, wenn Du dann Bundeskanzler wirst, kannst Du mich vielleicht doch in diesen Sparten einsetzen… Allen ein tolles Wochenende, Nessy
    http://www.salutarystyle.com

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    1. Meine Ärztin vor Ort, Dr. Doolittle, hat fast dieselben Ansichten wie Du und ich wollte Kinder nur 6 Jahre zusammen lernen lassen, um Spätentwickler nicht zu früh auszusortieren. Natürlich kann nicht jeder Abitur machen, aber es ist möglich bereits in der Schulzeit etwas über Begabung und Interesse eines Kindes zu erfahren, nur müsste dafür Personal aufgestockt und Klassen drastisch reduziert werden. Vor allem die Krämerei jedes Bundeslandes muss aufhören und ein Qualitätsunterschied bei den Schulabschlüssen innerhalb der Bundesrepublik ist nicht mehr zeitgemäß, wenn die Politik schon immer mit der Globalisierungskeule daher kommt. Alles was ich geschrieben habe sind natürlich nur erste Rahmen von neuen Systemen und mich stört, dass immer nur geredet wird, was alles aus finanziellen Gründen nicht geht, anstatt überhaupt erstmal mit einer der vielen Baustellen zu beginnen. Ich danke Dir sehr für den klugen Kommentar und wünsche Dir eine sonnige Restwoche!

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  7. Ja, das geht alles in die richtige Richtung, was da steht. (Aber viele Köpfe müssten rollen, um das alles möglich zu machen.) Wie auch der klassische Marxismus eigentlich recht hat. Und dann kommen diejenigen, die das in die Praxis umsetzen wollen – und die erwachen schmerzhaft aus ihren Volksbeglückungsträumen in einem blutigen Prozess des „learning by doing“, dass sie nicht vorwärts kommen mit Aufklärung, dass da Gegenkräfte wirken, die nichteinmal wirkliche Feinde sind – sondern Dummheit und Egoismus. Wen davon liquidieren? Wen „nur“ einsperren? Wen auslachen und links liegen lassen?

    Und schwupps hat eine gute Idee blutige Hände… Tscheka, Stasi, Workuta und Bautzen…

    Im Umkehrschluss wagt sich heute niemand mehr an DIE GROßE REFORM der Menschheit, weil er endet wie Lenin, Mao, Gorby…

    Vernunft siegt nicht.

    Man könnte schon wieder Danzer zitieren: Traurig aber wahr…

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